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Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
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Verträge nur auf sehr kurze Fristen abschließen, hängt es natürlichvon den jeweiligen Angebots-- und Nachfrageverhältnissen ihrerspeziellen Leistungen bzw. der von ihren Arbeitgebern verkauftenProdukte ab, inwieweit sie höhere Preise für ihre Leistungen durch-setzen können. Dabei sind die verschiedensten Abstufungen vomreinen Monopolpreis bis zum völligen Konkurrenzpreis möglich.Da die Inflation meist in Kriegszeiten eintritt, wo gerade von denLohnarbeitern besonders viele militärisch in Anspruch genominenwerden, find hier auf Grund von Arbeitermailgel sehr starke Lohn-steigerungen möglich, wie wir sie im Kriege vor allem in den Rü-stungsindustrien, aber auch bei den Löhnen ungelernter Arbeits-kräste und von Ersatzarbeitern gesehen haben. (Das gleiche giltfür alle selbständigen Lohngewerbe, Neparaturarbeiten, selb-ständige Dienstleistungen u. dgl.)

Bei den Arbeitsgewinnen endlich, wie ich sie nenne, dennicht fest bedungenen Einkommen der Leistungsgewerbe, der liberalenBerufe, Künstler, Ärzte, Rechtsanwälte, Schriftsteller, sowie derAgenten, Vermittler usw. kommt auch in Bettacht, welche Nach-frage nach ihren Leistungen unter Berücksichtigung ihrer persön-lichen Tüchtigkeit und ihres Rufes besteht.

Am meisten Vorteil haben von der Inflation diejenigenWarenverkäufer, die in solchen Zeiten der Preisveränderungen dieObjekte steigender Nachfrage am frühesten und richtig erkennen undsie sich durch Bestellungen und Aufträge rechtzeitig sichern, alsodas bewegliche Kapital, der Äandel im allgemeinen, besondersaber natürlich der spekulative Handel, der sich heute auf diese,morgen auf jene Ware wirft. Daneben natürlich die spezielleilKriegsindustrien, zu denen heute die verschiedensten Produktions-zweige, nicht zum wenigsten z. B. auch die Lederindustrie, gehören.Am meisten Nachteil haben von der Inflation, wie gesagt, außerden Beamten die Bezieher bedungener Kapitaleinkommen, Renten,also Gläubiger, während z. B. Aktionäre als Unternehmer an denGewinnen, die sich aus dem Warenverkauf ihrer Unternehmungenergeben, Anteil haben. Äier zeigt sich die Unmöglichkeit der nochbeliebten Konstruktion, die Aktionäre als Gläubiger, das Aktien-Wesen statt als Beteiligung als ein Kreditverhältins aufzufassen.

Bei den Verhältnissen in Deutschland im Weltkrieg ist zu be-rücksichtigen, daß die verschiedenen Einkommenssteigerungen, diebei uns zu verzeichnen waren, natürlich in erster Linie auf den

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