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Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
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Valuta nicht eintreten können, zumal man ja immer bestrebt ist,ein solches zu verhindern und dafür die verschiedensten Mittel be-sitzt. Aber von künstlicher Beeinflussung abgesehen, werden höherePreise im Inlands, sofern sie nicht die Folge von Schutzzöllen sind,eben den Import und damit die Forderungen des Auslands an unsvergrößern. Wenn dieses Ausgleichsmittel versagt, wenn wenigimportiert werden kann, aber andererseits aus irgendwelchenGründen im Inlande die Preise steigen, muß unser Geld im Aus-lande weniger bewertet werden, weil man damit weniger im In-lande kaufen kann als im Auslande mit dein ausländischen Gelde.Dies wird um so mehr der Fall sein, je weniger von uns exportierrwerden kann, je weniger also Forderungen des Auslands an unsdurch Forderungen, die wir im Auslande haben, ausgeglichenwerden können.

Dies sind nun aber gerade die Verhältnisse, wie sie für Deutsch-land im Weltkriege vorliegen. Früher ist allerdings eine derartigeLage wohl noch nie in einer ganzen Volkswirtschaft vorgekommen,und deswegen hat man sich den Zusammenhang der Valutaver-schlechterung mit den inländischen Preissteigerungen nicht klar ge-macht. Wir sehen jetzt gewaltige Preissteigerungen im Inlande,teils wegen Mangel an Rohstoffen und Arbeitskräften, teils wegeilder Umstellung der Industrie auf einen ganz veränderte,: Kriegs-bedarf; auf der anderen Seite aber sehen wir, auch wegen der Ab-sperrung durch unsere Feiude, die Unmöglichkeit, die hohen Inlands-preise durch Bezug aus dein Auslande auszugleichen. Die Folgedavon war, daß wem: im Auslande überhaupt Forderungen aufDeutschland vorhanden waren, man sie gering bewertete, weil manin Deutschland wenig dafür kaufen konnte. Solche Forderungenaber waren vorhanden, nicht nur weil immer noch sehr erheblicheWarenmengen nach Deutschland kamen, sondern auch deswegen,weil Deutschland den neutralen Nachbarstaaten, aus denen es vorallem Waren bezog, insbesondere Kolland und der Schweiz , schonvon früher her ziemlich verschuldet war. Die starke Anspannung desKredits, mit der man in Deutschland zu arbeiten pflegte, war auchdiesen Ländern gegenüber üblich gewesen. Schweizer Banken hatten,namentlich in Süddeutschland, in großem Amfange Kypotheken-forderungen, Kolland wie auch die Schweiz und Dänemark hatteneinen starken Besitz an deutschen Effekten. Daher hätte, auch wenngar nichts importiert und exportiert worden wäre, wofern nur ge-108