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Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
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ausländischen Einkäufern aus, die in ihrer Valuta beliebige Preisezahlten und damit zu ihrer Llnterbewertung beitrugen.

Derselbe Grund im allgemeinen höherer inländischer Preisemag auch mitgespielt haben bei der bekannten Tatsache, daß nachder Eroberung Polens der Rubel lange Zeit hindurch in Deutsch-land erheblich höher notierte als im gesamten Auslande, ja daßer zeitweise die deutsche Parität überschritt, während er im Aus-lande schon 30 bis 40°/o niederer bewertet wurde. Das hatte zurFolge, daß man in Polen den ursprünglich festgesetzten Amrech-nungskurs von 1,60 Mark auf 2 Mark für den Rubel erhöhenmußte. Es kommt dabei in Betracht, daß von unseren Einkäuferndort viel zu bereitwillig hohe Preise für viele Dinge bezahlt wurden,die man dann hoffte, zu Wucherpreisen in Deutschland absetzen zukönnen, wie das z. B. für Biskuits, Schokolade und viele andereDinge der Fall war, die im Gegensatz zu Deutschland dort nichtrationiert waren. Auch sind von unseren Soldaten, insbesonderevon den Offizieren mit ihren hohen Gehältern, viel zu bereitwillighohe Preise bezahlt worden, möglicherweise auch von der Militär-verwaltung selbst, die in viel größerem Llmfange Requisitions-scheine hätte ausstellen können. Durch alles das ist die Mark ent-wertet worden. Es hat auch hier an der nötigen Energie oder Ein-sicht, vielleicht auch an der dafür maßgebenden entscheidendenInstanz gefehlt, um diesen Adelständen abzuhelfen.

Von außerordentlichem Interesse für alle mit dem Geldwesenzusammenhängenden Fragen ist die Beobachtung der Valuta-verhältnisse Schwedens und der Vereinigten Staaten vonAmerika im Weltkriege. Für den ganz ungewöhnlichen Standder schwedischen Valuta in allen Ländern haben wir oben im zweitenKapitel schon Beispiele gebracht. Sie steht Mitte November 191720 °/o höher als die dänische und norwegische und ungefähr 33 "/<,über der Schweizer Parität. Muß man diese Verhältnisse zumTeil auch auf Spekulationen zurückführen, was sich auch schonaus den starken Schwankungen, oft von einem Tage auf den anderen,ergibt, so sind doch auch die besonderen Maßregeln der schwedi-schen Geldpolitik dabei mitwirkend. Ich glaube nicht, daß der un-gewöhnlich hohe Stand der schwedischen Valuta gerade der Aus-druck einer besonders günstigen Handelsbilanz Schwedens ist,

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