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Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
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und aus der systematischen Vernichtung derselben durch England in den verschiedensten Ländern entstanden sind. Hier Schadenersatzvon England und seinen Bundesgenossen zu fordern, gehört zuunseren wichtigsten Kriegszielen.

In dieser Hinsicht gleich beim Friedensschluß energisch unsereAnsprüche geltend zu machen, ist auch für den Kurs unserer Valutavon größter Wichtigkeit. Er wird sich sehr viel schneller wieder heben,wenn das Ausland sich bewußt ist, daß wir unsere Forderungenenergisch einzuziehen beabsichtigen und daß die Schadenersatz-ansprüche Deutschlands im Auslande kraftvoll vertreten werden.

Von möglichst schneller Hebung unserer Valuta hängt aber dieEntwicklung unseres Außenhandels nach dem Kriege zu einem großenTeile ab. Deshalb müssen alle Beteiligten zusammenwirken, auchim Inlands die Preisherabsetzungen durchzuführen, die, wie wir ge-zeigt haben, die Voraussetzung für eine Hebung unserer Valuta sind.

Eine Entschädigung seitens des Reiches für die durch dasSinken unserer Valuta geschädigten Zweige des deutschen Außen-handels wird sich allgemein kaum durchführen lassen. Sie wirdjedenfalls stets davon abhängen, inwieweit es gelingt, den vielenim Auslande ansässigen deutschen Kaufleuten, denen ihr ganzesGeschäft zerstört ist, Entschädigungen seitens der ausländischenStaaten zu verschaffen, die sich durch England zu einem Raubzuggegen deutsches Eigentum haben überreden lassen. Der Gedanke,daß diejenigen, die Valutagewinne erzielt haben, für die Verlusteanderer aufkommen müßten, ist praktisch kaum durchführbar. Ge-wiß, Gewinne aus dem Kriege soll der Staat schon im Interessegeordneter Preisbildung möglichst verhindern. Er soll sie, wennsie einmal erzielt sind, möglichst der Allgemeinheit zuführen, des-wegen betonten wir immer die Notwendigkeit einer starken Kriegs-gewinnbesteuerung im weitesten Sinne. Aber eine Schadenersatz-pflicht des Staates für alle Kriegsverluste zu verlangen, geht beiden ungeheuren Verlusten dieses Krieges über das Mögliche hinaus.Schon der Anspruch auf Erhaltung jeder Erwerbstätigkeit in ihrerbisherigen Form ist undurchführbar, nicht nur weil manche Er-werbstätigkeiten für die Gesamtheit weniger wichtig sind als andere,sondern weil doch auch Hunderttausende von Kriegsbeschädigtenihren Beruf werden wechseln müssen. Äberhaupt scheint mir, daßin einer Zeit, in der der Staat unbeschränkt über das Leben vonMillionen seiner Untertanen verfügt, der Schutz des Privat-

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