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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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Vorwort

Schrift ist rein theoretisch, sie gibt eine ökonomischeTheorie des Geldes, verfolgt aber im letzten Grundeauch praktische Zwecke, und zwar praktisch im höchsten Sinne.Denn sie möchte zeigen, warum der deutschen Volkswirtschaft diezirka drei Milliarden Mark erspart werden könnten, die jetzt inseinem Geldwesen, in der Goldzirkulation und dem zur Deckungder Banknoten vorhandenen Goldbestand stecken. Daß das einZiel ist, das zu erreiche» sich lohnen würde, hat man wohl schonfrüher hie und da eingesehen. Aber man hielt es für ein uner-füllbares Ideal. Erst im Kriege hat man erkannt bzw. einigewenige Leute fangen an zu erkennen, daß die Lösung dieser Auf-gabe auch eines der wichtigsten wirtschaftlichen Kampfmittelgegenüber unseren wirtschaftlichen und politischen Gegnern seinkönnte. Gelänge es, bei uns und vielleicht noch in anderenLändern die Goldwährung zu beseitigen, so würde uns das nichtnur Milliarden sparen, sondern es würde insbesondere England ,das mit seinen Kolonien das größte Goldproduktionsland ist undihres Goldes wegen noch vor kaum zwei Jahrzehnten die Buren-staaten sich angegliedert hat, einen sehr schweren Schlag versetzen.

Aber, wird man sagen: zugegeben, daß unsere Goldwährungein sehr kostspieliges Währungssystem ist uud daß wir und dieanderen Goldwährungsländer mit ihm in erster Linie die Interessender Goldproduktionsländer, also vor allem Englands , dann derVereinigten Staaten , Nußlands usw. fördern, können wir dieGoldwährung so ohne weiteres aufgeben? Kaben wir sie nichtunter schweren Opfern erst vor wenigen Iahren geschaffen undwendeten wir nicht in den letzten Iahren noch weit mehr als100 Millionen Mark jährlich für sie auf? And was soll anihre Stelle treten? Etwa eine Papierwährung mit allen ihren

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