in der Geldgeschichte hundertfach beobachteten Mängeln undGefahren? War eine solche nicht immer das Zeichen der ungün-stigsten wirtschaftlichen und staatlichen Zustände, aus denen manmöglichst schnell wieder herauszukommen trachtete?
Aber nicht nur solche Zweckmäßigkeitsgründe, auch theoretischeErwägungen werden gegen eine Abschaffung der Goldwährunggeltend gemacht. Kann man überhaupt nur mit an sich wertlosenPapierstücken die Güter kaufen? Muß nicht schließlich der Staatdoch Einlösung in einem wertgeschätzten Stoffe versprechen, wennjene angenommen werden sollen, und ist es da nicht am besten,sie in dem allgemein als Geld benutzten Edelmetall zu versprechen?Ist nicht, wenn auch vielleicht im Inlands eine bloße Papier-währung funktionieren könnte, doch für den Verkehr mit demAuslande ein Goldschatz erforderlich, da man ja im Auslandenicht mit unserem Papier zahlen kann?
Solche und ähnliche Fragen werden regelmäßig erhoben,wenn man an der unbedingten Vorzüglichkeit und Anersetzlichkeitder Goldwährung zweifelt, und sie haben gewiß historisch diegrößte Berechtigung. Zu oft hat die Geldgeschichte bewiesen,daß insbesondere die Papierwährung für ein Land verhängnisvollwurde. Daß freilich auch die Silberwährung kein Ideal war,daß es also an dem wertgeschätzten Stoff allein nicht liegen kann,diese Erkenntnis tritt zurück hinter der Tatsache, daß, seit diewichtigsten Staaten die Goldwährung haben, eine Verbesserungder Währungsverhältnisse zweifellos eingetreten ist, und daß esvon der Währungsfrage, die früher die ganze Welt in Auf-regung brachte, seit dem Beginn dieses Jahrhunderts ziemlichstill geworden ist.
Aber freilich, die Preisschwankungen sind nicht geringer,die Preise trotz des Bestehens der Goldwährung nicht gleich-mäßiger geworden, und viele Nationalökonomen sehen in derGoldproduktion, also gerade auch in der Goldwährung eine derArsachen, ja manche sogar die Äauptursache der seit Beginndes Jahrhunderts beobachteten allgemeinen Teuerung. Aller-dings, wie wir sehen werden, mit Anrecht. Andererseitswerden wir aber zeigen, daß von dem oft behaupteten Vorzugder Goldwährung, daß nur bei ihr eine gewisse Stabilität derKaufkraft des Geldes, besonders auch im Verhältnis zumAuslande, möglich sei, nicht die Rede sein kann.8