Also, wenn auch weite Kreise noch davon überzeugt sind,daß die Goldwährung, die uns so große Opfer gekostet hat undnoch kostet, ebendeshalb wohl ein Ideal sein müsse, so sind dochschon längst Zweifel daran erhoben worden, und der Wissenschaftist es jedenfalls gestattet, die Frage auszuwerfen, ob ein so kost-spieliges Währungssystem wirklich nötig, wirklich ein Ideal undauf dauernden Bestand berechnet ist. Das soll in diesem Buchegeschehen, und zwar in der Weise, daß die gesamten Grundlagender Geldlehre einer Prüfung unterzogen werden.
Eine solche Prüfung liegt nahe, weil seit dem Kriege dieErfahrung sowohl in bezug auf die Geldlehre, als auch in bezugauf die Goldwährung mancherlei Neues gezeigt und zu denkengegeben hat. Sie hat zunächst in den kriegführenden Ländern,vor allem in Deutschland und Frankreich , gezeigt, daß derTauschverkehr auch ohne Goldzirkulation sich geregelt vollziehenkann und daß im Verkehr mit dem Auslande statt Goldinsbesondere auch Effekten zur Ausgleichung von Forderungendienen können. In manchen neutralen Staaten aber, vor alleinin Schweden , Äolland und Argentinien, hat die Erfahrung weitergezeigt, daß der eigentliche Kernpunkt der Goldwährung, diefreie Goldprägung, nach der jeder, der Gold zur Münzebringt, die im Münzgesetz vorgesehene Summe von Bank-noten verlangen kann, unter Am ständen seine großenSchattenseiten hat. Insofern nämlich, als es dadurch indas Belieben des Auslandes gestellt ist, wieviel Goldes ins Inland bringen will. Wenn es ihm besser paßt,kann es statt in Waren, in denen sich in der Hauptsache derAusgleich im Tauschverkehr zwischen verschiedenen Nationen voll-zieht, in Gold zahlen und damit seine Verpflichtungen fürWarenbezüge begleichen. And in jenen Ländern hat es sichgezeigt, daß England es vorzog, statt Waren zu liefern, die manviel nützlicher hätte gebrauchen können, seine Einkäufe mit Goldzu bezahlen, so daß schließlich die ausgegebenen Banknoten über-gedeckt waren. Da stellte sich heraus, was man früher fürunmöglich gehalten hatte, was aber ganz klar am Tage liegt,daß ein Land auch zuviel Gold haben kann, daß dasInstitut der freien Prägung dem Auslande die Türe offen läßt,all sein überschüssiges Gold, das es produziert hat, aber nichtselbst zu Währungszwecken verwenden will, in die anderen Gold-
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