aller bisherigen Theorien stehenden Frage nach den Bestimmungs-gründen des „Güterwertes" sich auf einer falschen Fährtebefunden hat, das Wesen der Wirtschaft überhaupt nicht richtigerkannt hat. Die Geldlehre, die ich hier entwickele und die michzu den wichtigsten praktischen Folgerungen führt, ist also dasErgebnis einer neuen allgemeinen Wirtschaftstheorieüberhaupt. Ihre Grundgedanken werden im ersten Kapitelkurz dargestellt.
Auf eine klare und systematische theoretische Begründungder Auffassung des Geldes und der praktischen Folgerungen, diedaraus zu ziehen sind, kommt hier alles an. Wenn irgendwo, sokann in diesem Falle das bloße Sammeln von Erfahrungen nichtgenügen. Denn es handelt sich bei der Währungsfrage um Auf-gaben von höchster politischer und nationaler Bedeutung, in denenwir nicht in Ruhe erst die allgemeine Entwicklung abwartenkönnen. Die Frage, ob wir auf die Goldwährung und die An-häufung eines großen Goldschatzes zur Deckung unserer Zahlungs-mittel verzichten können, ist eine solche, daß, wenn sie bejaht wird,wir damit nicht nur Milliarden sparen, sondern auch unserenwirtschaftlichen und politischen Gegnern, vor allem England , einenhöchst fühlbaren Schlag versetzen. Aber nach beiden Richtungen habenwir nur Erfolg, wenn wir selbständig, und zwar schnell,unsere Entschlüsse fassen. Denn wenn andere Staaten in derErkenntnis, daß ein großer Goldbefitz bei geordneten Währungs-verhältnissen überflüssig ist und in ihrer praktischen Anwendunguns vorangehen, ernten sie allein die Vorteile davon,ihren Goldvorrat noch rechtzeitig und ohne Verlust abstoßen zukönnen. Wir sollten also nicht warten, bis andere StaatenSchritte in jener Richtung tun, sondern müssen selbst unsere Ent-scheidung treffen.
Wodurch soll diese aber bestimmt werden? Da kann nurdie wissenschaftliche Erkenntnis in Betracht kommen,welche den Nutzen dieser oder jener Maßregel theoretisch zubegründen vermag. Die Wissenschaft allein vermag zu über-sehen, wie die Abschaffung des Goldes wirken würde, ob undunter welchen Bedingungen eine bloße Papierwährung möglichist, ob sie nicht, sei es für den inländischen Tauschverkehr, sei esfür den mit dem Auslande, Nachteile mit sich bringt usw. Esliegt hier einer jener Fälle vor, daß die Wissenschaft, welche an12