Erstes Kapitel
Die allgemeinen Grundlagen der Geldlehre
)Vun sscra ksmes«, „der verwünschte Äunger nach Gold".Dieser Ausspruch Virgils gilt noch heute. Er gilt nicht nur imübertragenen Sinne, wo Gold soviel wie Reichtum bedeutet, sondernauch buchstäblich. Noch heute streben alle Staaten, sich einenmöglichst großen Goldschatz zu beschaffen, und wir sehen, wie sieim Kriege mit allen Mitteln bemüht sind, ihn sich zu erhaltenund ihn zu vermehren. Nach dem Goldbestande seiner Zentral-dank, nach der Golddeckung ihrer Noten wird die Valuta einesLandes, d. h. der Kurs der inländischen Währung im Auslande,mit in erster Linie beurteilt. Zahlreiche Vorschläge sind gemachtworden, nach dem Kriege den Goldbestand der Reichsbank mög-lichst zu erhöhen, möglichst vollkommene Golddeckung der Bank-noten herbeizuführen, bei einer uns zu leistenden Kriegsentschä-digung vor allem auch Zahlung in Gold zu verlangen. Llnd die-selben Forderungen werden bei unseren Gegnern erhoben. Werheute behauptet, daß ein großer Goldschatz überflüssig sei, daßwir gut daran täten, ihn mindestens zum großen Teil, natürlichmöglichst günstig, abzustoßen, würde heute in den weitesten Kreisenvölliger Verständnislosigkeit begegnen, er würde von seiten zahl-reicher Praktiker und vieler höchst angesehener wissenschaftlicherNationalökonomen Widerspruch finden. Beide würden sagen, daßfür eine solche Ausfassung zwar gewisse, übrigens höchst zweifel-hafte Theorien sprächen — mit Ausdrücken Knappianer, Chartalist,Nominalist würde nicht gespart werden —, aber gar praktisch-politisch eine Beseitigung der Goldwährung zu empfehlen, darüberlohne es sich kaum ernsthaft zu diskutieren. Knapp und derChartalismus — etwas anderes kennt man nicht — hätten gewissetheoretische Verdienste/) aber eine Anwendung auf die praktische
*) Gerade das bestreike ich; die Knappschen Ideen sind keine öko-nomischenTheorien, sondern nichts weiter als falsch, d. h. nur juristischbegründete Behauptungen richtiger induktiver und historischer Beobachtungen.
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