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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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Währungspolitik habe Knapp selbst abgelehnt. An ein Auf-geben der Goldwährung, die man mit so großen Opfern geschaffenhabe, könne nicht im Ernst gedacht werden. Allenfalls wird zuge-geben, daß im inländischen Verkehr eine reine Papierwährungmöglich und nicht unbedingt nachteilig sei, aber für den inter-nationalen Verkehr müsse die Währung mit dem allgemeinenWertmesser" Gold verknüpft sein. Gewöhnlich findet sich dabeider Äinweis, daß das für den internationalen Äandel maßgebendeLand, England , die Goldwährung habe, folglich müßten wir sieauch haben, wenn wir nicht unsere Stellung im internationalenHandel verschlechtern wollen.

Was ist an dieser Auffassung richtig? Man kann, wennman ihr entgegenkommen will, nur sagen, daß sie einigermaßenhistorisch begründet ist. Die Erfahrung hat unzählige Male ge-lehrt, daß in Ländern mit Papierwährung sehr ungünstige Geld-verhältnisse, insbesondere hohe und stets schwankende Preise unddamit Ansicherheit im ganzen Wirtschaftsleben vorhanden waren.Sie hat weiter gelehrt, daß England , das zuerst, vor jetzt 100 Iahren,die Goldwährung einführte, seit langem die solidesten und stabilstenGeldverhältnisse gehabt hat und das Zentrum des Geldverkehrsder ganzen Welt geworden ist. Das englische Vorbild der Gold-währung haben dann zahlreiche Staaten, insbesondere auch Deutsch-land , nachgeahmt, wir ließen es uns viel kosten, die Goldwährungeinzuführen. And noch heute folgen immer neue Staaten demvon den großen Äandelsstaaren mit ihrer Goldwährung gegebenenBeispiel.

Daß man allen Theorien, die ein anderes Währungssystemals die Goldwährung empfehlen, großes Mißtrauen entgegen-bringt, ist auch theoretisch nicht unberechtigt. Wie lange ist esher, daß die bimetallistische Agitation in wissenschaftlichemGewände die ganze Welt in Anruhe versetzte? Wie gering diewirkliche wissenschaftliche Einsicht in das Geldwesen dabei aufbeiden Seiten war, das hat man damals nicht erkannt. Eswar die Zeit der historischen Schule in der Nationalökonomie,nur historische und praktisch-politische Fragen fanden Interesse,im Geldwesen erörterte man nur den Gegensatz zwischen Gold-und Silberwährung und die daraus sich ergebenden Probleme,die zu keiner Vertiefung der Geldlehre führten. Die bimetallistischenIdeen wurden mit demselben reinen Empirismus behandelt, der20