Staate durch strenge Deckungsvorschriften der nicht metallenenZahlungsmittel in dem nur beschränkt vermehrten Edelmetall dieMöglichkeit einer beliebigen Vermehrung der Geldmenge entzogenwar. Selbst die bimetallistischen Gedanken, die in den letztenJahrzehnten des 19. Jahrhunderts eine so große Rolle spielten,galten, obwohl die Wissenschaft überzeugt war, daß sie auf Grundinternationaler Vereinbarung der wichtigsten Länder durchführbarwären, als unsolide, nachdem das Preisverhältnis zwischen beidenEdelmetallen auf 1:30 gesunken war. England , das größteHandelsland, hatte eine Goldwährung, es hatte zweifellos schonam längsten stabile Geldverhältnisse, und allein schon des Außen-handels und der Sicherheit seiner Kalkulationen wegen erschiendie Goldwährung die einzige, die für einen Staat, der im inter-nationalen Handel eine Rolle spielen und als Repräsentant so-lider Kaufleute auftreten wollte, in Betracht kam.
Wissenschaft und kaufmännische Praxis fanden sich so in derVerherrlichung der Goldwährung zusammen, d. h. die Wissenschaftbestätigte empirisch die ebenso empirisch gewonnene Überzeugungvon der Vorzüglichkeit der Goldwährung, die als Währungs-system unübertrefflich und, nachdem sie einmal eingeführt war, aufewige Dauer berechnet schien. And daher erschienen die Problemedes Geldwesens, nachdem Mitte der 30er Jahre die letzte großeAktion des Bimetallismus im Sande verlaufen war, praktisch er-ledigt und verschwanden fast vollkommen aus der öffentlichen Er-örterung. Niemand wagte und wagt in der Hauptsache auchheute, die Goldwährung anzutasten, sie gilt in weitesten Kreisenals eine Selbstverständlichkeit, als ein ^5^a «e/. Höchstenswurde gefordert, mehr Gold aus der Zirkulation zu ziehen, fürdiese mehr die bargeldlosen Zahlungsmethoden anzuwenden; aberdie meisten traten für eine möglichste Vermehrung des Goldschatzesder Neichsbank ein, und bei uns wie überall ist man glücklich,wenn es der Notenbank einmal gelingt, den Goldbestand durchGoldankäufe im Auslande zu vermehren.
Wohl haben schon längst einige Nationalökonomen beobachtet,daß eine Papierwährung, wenn nur der Staat nicht die Noten-Presse als Mittel zur Erzielung von Einnahmen benutzt, wenig-stens im inländischen Verkehr genau so als allgemeines Tausch-mittel benutzt wird wie ein auf metallischer Grundlage beruhendesGeldwesen. Namentlich das Beispiel des österreichischen Geld-
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