Wesens seit 1879, wo der Papiergulden, weil er nicht vermehrtwurde, im Werte schließlich über den des Silberguldens stieg, aufden er ursprünglich gelautet hatte, war ein gar zu schlagenderBeweis dafür, daß das Geldwesen eines Landes nicht an einenrealen Stoff gebunden ist, als daß man es ganz hätte übersehenkönnen. Die Tatsache, daß das Papiergeld bei reiner Papier-währung in einigen Ländern einen völlig selbständigen, von jederMstallgrundlage unabhängigen Wert hatte und ihn jahrelangohne nennenswerte und im inneren Verkehr überhaupt erkennbareSchwankungen beibehielt, machte immerhin, namentlich in derscharssinnigen Analysierung durch Knapp, aus die ökonomischeWissenschaft einen solchen Eindruck, daß sich manche National-ökonomen zu einer nominalistischen Geldausfassung gedrängt sahen,durchaus im Widerspruch zu ihren sonstigen streng materialistischenTheorien. Solange man, wie es heute allgemein geschieht, unterWirtschaften Sachgüterbeschaffung, unter Preis eine Güter-menge versteht, solange man den Tauschverkehr und die Preis-und Einkommensbildung dabei nur quantitativ als ein Verhältnisvon Gütermengen auffaßt und von jeder Beziehung zu den wirt-schaftlichen Erwägungen der Individuen abstrahiert, so lange istes nicht möglich, auch im Gelde etwas anderes als ein Güter -quantum mit einem materiellen Wert zu sehen, so lange ist einewissenschaftliche Begründung einer nominalistischen Geldauffassungdurch die allgemeinen Grundlagen der ökonomischen Theorie un-möglich, stehen beide in unlösbarem Widerspruch miteinander.Dieser Widerspruch tritt in besonders charakteristischer Weise inder großen Abhandlung v. Wiesers im „Grundriß der Sozial-ökonomik", Band l, zutage, der mit einer sonst streng materialistischenWirtschaftsausfassung eine nominalistische Geldlehre mit teilweiserecht fortgeschrittenen Ansichten verbindet, die nur in seine sonstigeTheorie gar nicht hineinpassen.
Der Gedanke, daß das Geld ein bloßes Zeichen, eine An-weisung, ein Symbol sei, das nicht notwendig eigenen Stoffwerthaben müsse, ist ja schon seit den Zeiten Laws und Lockesvon vielen Theoretikern ausgesprochen worden. Aber er paßtenicht in die sonstigen ökonomischen Theorien hinein, und manwußte damit nichts anzufangen. In neuerer Zeit ist eine nomina-listische Geldauffassung wohl zuerst von O. Äamme r, „Die.Haupt-prinzipien des Geld-und Währungswesens", Wien 1891, dann24