Zweites Kapitel
Die tauschwirtschaftliche Funktion des Geldes
^^hne die Benutzung des Geldes ist ein regelmäßiger Tauschver-^--^ kehr nur in sehr beschränktem Amfange möglich. Er erfolgtvielmehr nur gelegentlich in Äberschußvrodukten oder in dem ver-abredeten Austausch von Leistungen. Die sog. Eigenwirtschaft,die Selbstherstellung weitaus der meisten Güter, wird beim Natural-tausch immer noch die Grundlage der Bedarfsversorgung bleiben.Äeute aber ist, wie bekannt, der Tauschverkehr dadurch charak-terisiert, daß kein Mensch mehr auch nur einen verschwindendenTeil der Güter herstellt, die er gebraucht, jeder ist auf die Bedarfs-befriedigung durch den Tausch angewiesen. Die Kehrseite davonist, daß jeder Mensch sich auf die Herstellung und das Angebotganz bestimmter Güter beschränkt und durch deren Verkauf erstsich die Mittel zur Befriedigung seiner Bedürfnisse verschafft.So ergibt sich die vollkommene Abhängigkeit jeder einzelnen Wirt-schaft von unzähligen anderen. And es ergibt sich weiter dievöllige Trennung der Wirtschaftstätigkeit der meisten Personenin zwei Teile, die wir als Erwerbswirtschaft und Konsum-wirtschaft unterscheiden. Man hat diesen Anterschied in derbisherigen Theorie wohl gekannt, aber, wieder auf Grund dermaterialistischen Ausfassung der Wirtschaft, längst nicht genügendbeachtet. In der modernen Entwicklung hat sich in den Aktien-gesellschaften eine völlige Selbständigmachung von Erwerbswirt-schaften, eine völlige Loslösung von den Konsumwirtschaften ihrerBesitzer angebahnt, das sog. Änpersönlichwerden des Kapitals.
Das alles war nur möglich mit dem Auskommen eines all-gemeinen Tauschmittels, des Geldes. Es ist überall an-erkannt, daß allgemeines Tausch Mittel zu sein die wesent-lichste Funktion des Geldes ist. Das Wesen des Geldes bestehtalso darin, daß „jeder es nimmt". Obgleich es an sich kein Be-dürfnis befriedigen kann, sucht doch jedermann es zu erwerben,
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