der Geldwirtschaft. And wenn im Mittelalter viele Preise staat-lich oder obrigkeitlich festgesetzt wurden, so war das nur dadurchmöglich, daß schon vorher ein freier Verkehr, z.B. durch denÄandel, bestand und zu Preisen und Geldrechnungen führte, daßalso ein Geldtauschverkehr, eine „Geldwirtschaft " vorhanden war,welche letzten Endes aus der Römerzeit stammte und durch sienach Mitteleuropa überliefert worden ist.
Man darf also die Bedeutung einseitiger Zahlungen, diedurch den Staat in seinem Gelde erzwungen werden, für die Ent-wicklung des Geldes nicht überschätzen. Immerhin, wenn manglaubt, diese einseitigen Zahlungen in Geld bei der Aufzählungseiner Funktionen nicht übergehen zu dürfen, steht nichts imWege, das Geld als allgemeines Tausch- und allge-meines Zahlungsmittel zu bezeichnen. Nur dürfen irgend-welche Schlüsse auf die ökonomische Natur des Geldes nicht darausgezogen werden, daß die Rechtsordnung im Falle des Streitesüber die Erfüllung einer Geldforderung die Benutzung der vomStaate geschaffenen Zahlungsmittel vorschreibt. Denn der größereTeil der Umsätze erfolgt gar nicht unter Benutzung der vomStaate geschaffenen realen Zahlungsmittel, Münzen oder Papier-geld, sondern wird, wie wir sehen werden, nur in einer ab-strakten Nechnungseinheit, dem eigentlichen Gelde, ver-rechnet.
Wir sind damit zu einer Frage gekommen, die zwar in derGeldtheorie schon oft erörtert, aber doch im ganzen stark ver-nachlässigt und in ihrer Bedeutung für das Wesen und dieFunktionen des Geldes längst nicht genügend erkannt ist. Dient— so muß man sich fragen, wenn man den heutigen Tausch-verkehr beobachtet — allein das Geld, d.h. die staatlichenoder vom Staate autorisierten Zahlungsmittel, alsoMünzen, Papiergeld, Banknoten, zur Vermittlungder Umsätze im Tauschverkehr? Es ist doch kein Zweifel,daß ein großer Teil der Umsätze im Tauschverkehr ohne Be-nutzung von „Geld" nur „ausgeglichen", kompensiert, abgerechnetwird. Es gehören dahin offensichtlich weniger die Umsätze zwischenKonsumwirtschaften und Erwerbswirtschaften, obwohl auch hier,wie bekannt, die Benutzung „bargeldsparender Zahlungsmethoden"immer mehr Platz greift und ihre Verbreitung energisch gefordertwird (Scheckwesen), als vielmehr vor allem die zahllosen Umsätze
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