Drittes Kapitel
Die Quantitätstheorie
n der bisherigen Wirtschaftstheorie, in deren Mittelpunkt dieFrage nach dem Wert der Güter und seinen Bestimmungs-gründen besteht, hat man auch nach dem Wert des Geldes ge-fragt. Äier stehen sich zwei Richtungen gegenüber: Beruht derWert, die Kaufkraft des Geldes auf seinem Stoff oder auf demWerte der Güter, die man damit kaufen kann? Fisher vertrittdie letztere Ansicht, die zwar auch schon von Adam Smith ge-äußert, aber eigentlich erst Inhalt der modernen sogenannten sub-jektiven Wertlehre ist. Doch auf Grund der allgemein herrschen-den materialistisch-quantitativen Wirtschaftsauffassung konnte wedervon den Klassikern noch von den Vertretern der neuen sogenanntensubjektiven Wertlehre gezeigt werden, wie nun der Wert desGeldes sich aus dem Wert der Güter ableitet, die man damitkaufen kann.
Trotzdem Fisher die subjektive Wertlehre vertritt, ist er dochin der Geldtheorie Metallist. Die metallistische Geldlehre be-hauptet auf Grund der herrschenden materialistischen Wirtschafts-ausfassung, daß „nur Güter gegen Güter getauscht werden könnten"und daß das Geld, um Wertmaßstab zu sein, einen eigenen Stoff-wert nötig habe. Demgegenüber behauptet die nominalistischeTheorie, daß das Geld einen eigenen, von seinem Stoffe ganzunabhängigen Wert haben könne, so daß, wie Knapp es aus-drückt („Staatliche Theorie des Geldes", S. 13), „die nominaleWerteinheit vollständig ausreiche für Arteile über den lytrischen(d. h. in bestimmten Tauschmitteln ausgedrückten) Wert der Güter";daß „Werturteile über ein Gut abgegeben werden können unterBenutzung der nominalen, nur historisch definierten Werteinheit".Woher die Kaufkraft einer solchen nominalen Werteinheit kommt,darüber sind sich auch die Vertreter der nominalistischen Geldlehrenicht einig. Knapp hat die ökonomische Beantwortung der Frage
51