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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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volumen als eine feste Größe anzusehen. Das gilt bekanntlichnicht einmal für verkaufte Waren, geschweige denn für die zahl-losen Fälle von persönlichen Leistungen, Mieten u. dgl., diedie Amsätze beeinflussen. Infolgedessen scheidet z. B. der wichtigeEinfluß wechselnder Ernten auf die Preise für ihn vollständigaus. Das Handelsvolumen wird nach Fisherverändert nurdurch außerhalb der Verkehrsgleichung liegenden Arsachen". In-folgedessen kümmert er sich bei den mathematischen Operationenmit seiner Verkehrsgleichung nicht darum.

Den Kernpunkt aller Irrtümer der Quantitätstheorie berührtdann die Meinung Fishers, daß Zunahme der Geldmenge oderihrer Amlaufsgeschwindigkeit nur auf die Preise, nicht aber aufdasHandelsvolumen" wirken könne. Er glaubt also, daß z. B.die Amlaufsgeschwindigkeit des Geldes gesteigert werden kann,ohne daß sich die Umsätze vermehren! Diese ganze Auffassungist die Folge der unten näher zu besprechenden Tatsache, daß mansich niemals klargemacht hat, wodurch denn eine Geldvermehrungdie Preise steigert. Man hat nicht beachtet, daß es durch Stei-gerung der Einkommen geschieht, die neue Kaufkraft bedeutetund also auch die Amsätze vermehrt. Das nicht erkannt zu haben,dafür hat Fisher wieder nur die eine Entschuldigung, daß dasseinen Vorgängern auch nicht klar geworden war. Daher ist dieVoraussetzung ganz willkürlich, um nicht zu sagen sinnlos, die er(S. 119) bei seinen Schlußfolgerungen macht:Es bestätigt sich,daß die Preise gleichmäßig mit der Geldquantität zunehmen, so-fern das Handelsvolumen und die Amlaufsgeschwindigkeit unver-ändert bleiben." Das Handelsvolumen bleibt eben nicht unver-ändert, wenn die Geldmenge vermehrt wird, weil dies vergrößertesEinkommen bedeutet.

DasHandelsvolumen", multipliziert mit dem Preise derGüter, bildet die Warenseite der Verkehrsgleichung, der dann dieGeldmenge x Amlaufsgeschwindigkeit gegenübergestellt wird.Hätte die ganze Verkehrsgleichung überhaupt nur einen Scheinvon Berechtigung, so müßte man natürlich alle Güter mit ihrenPreisen multiplizieren. Aber wie Fisher einzelne Güterartenwillkürlich herausgreift, so auch einzelne Preise, und er hat nichteinmal Sorge getragen, daß nun die ausgewählten Gütermengenmit ihren Preisen multipliziert werden. Doch ist auch dies an-gesichts der Grundfehler ganz nebensächlich.

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