Druckschrift 
Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
Seite
56
Einzelbild herunterladen
 

änderungen zu errechnen, sondern sie zu erklären. Kausal-analyse des wirtschaftlichen Mechanismus, das ist die Aufgabeder ökonomischen Theorie, nicht aber mathematische Operationenmit willkürlich konstruierten Zahlengrößen auszuführen.

Denn die Willkür, mit der Fisher die Faktoren seiner Ver-kehrsgleichung auf zahlenmäßige Ausdrücke bringt, spottet jederBeschreibung. Zunächst und erst etwa in der Mitte des Buches(S. 183) erfährt man ganz nebenbei, daß längst nicht alle Güterin die Verkehrsgleichung aufgenommen wurden, sondern nurWaren mit Engrospreisen, also nicht alle die zahllosen persön-lichen und sachlichen Leistungen, für die man denke an Trans-portleistungen, Leistungen liberaler Berufe, Dienstboten, Post,Telephon, Telegraph, Beleuchtung usw. Millionen jährlichausgegeben werden. Ferner bleiben alle Arbeitslöhne außer Be-tracht. Auch Amsätze in Grundbesitz, Mieten und Pachten, Detail-preise und Wertpapiere werden ausgeschlossen, und Fisher be-handelt nur die Engrospreise, die nach seiner eigenen Angabevielleicht nur ein Fünftel aller Transaktionen bilden (S. 182).(In Wirklichkeit sicher noch erheblich weniger.) Aber diese seienbesonders typisch, und er stellt eingehende Antersuchungen darüberan, wie für sie nun zweckmäßigste Indexnummern aufgestelltwerden können. Er vergißt ganz, daß es sich bei seiner Verkehrs-gleichung ja nicht um Typen, sondern um die Gesamtmenge derLlmsätze handelt, die er der Geldmenge gegenüberstellen will. Ja,wenn man den gesamten Gütermengen ihre Preise als Äquivalentgegenüberstellen könnte, dann könnte man auch einzelne heraus-gegriffene Güter ihren Preisen gegenüberstellen. Aber was könnteman damit für die Kaufkraft des Geldes beweisen? Die Ver-kehrsgleichung, die willkürlich ausgewählte Indexnummern vonPreisen mit demHandelsvolumen", hier natürlich auch wiedernur Sachgüter in Betracht gezogen, multipliziert und dem dieGeldmenge einschließlich Depositen und Amlaufsgeschwindigkeitgegenüberstellt, ist eine Angeheuerlichkeit.

Dazu kommt noch, daß Fisher dasHandelsvolumen" einfürchterliches Wort für den, der erkennt, daß das Wirtschafts-leben nicht Güterquantitäten zum Ziel hat manchmal alsGütermenge, manchmal als Zahl der Amsätze auffaßt, wasoffenbar keineswegs dasselbe ist. In seiner Sucht nach festen,zahlenmäßigen Größen scheut sich auch Fisher nicht, das Äandels-56