und man darf es niemals als eine wirkliche Gleichung auffassen,nicht einmal in der einzelnen Wirtschaft, geschweige denn durchAddierung aller Güter und aller Preise im ganzen Tauschverkehr.
Die mathematischen Nationalökonomen, zu denen auch Fishergehört, stürzen sich aber, sobald ihnen etwas vor Augen kommt,das wie eine mathematische Formel aussieht, darauf wie auf einegroße Errungenschaft! Im Handumdrehen sind noch einige andereGrößen so mathematisch ausgedrückt und dann ist alle Beob-achtung von wirtschaftlichen Tatsachen vergessen, dann jonglierensie mit ihren ?, V, ^ usw. nach den Regeln der Mathematik,blind dafür, daß sie sich immer weiter von den wirklichen wirt-schaftlichen Vorgängen entfernen. So auch Fisher. Er könntehöchstens sagen, daß die Summe aller Güter multipliziert mitihren Preisen pro Einheit gleich der Summe aller Preise sei.Aber im Nu wird aus dieser „Geldseite" der Verkehrsgleichungstatt Summe aller Preise gesetzt: Geldmenge x Amlaufsgeschwin-digkeit. Das ist nun natürlich keineswegs dasselbe, denn die ur-sprüngliche Gleichung soll ja nach Fisher eine Gleichwertigkeitenthalten. Jetzt ist aber zur Freude der Mathematiker der Faktor:Summe der Preise durch: Menge x Amlaufsgeschwindigkeit er-setzt und damit die unbequeme Beziehung zu dem freilich künstlichkonstruierten Wertbegriff ausgeschaltet. In Wahrheit macht dasfreilich nicht viel aus. Denn schon der Gedanke der „Verkehrs-gleichung" als. solcher ist ein fundamentaler Irrtum, und alle dieOperationen, die Fisher dann mit ihren verschiedenen Faktorenvornimmt, können das schon gänzlich Falsche kaum noch falschermachen. And was wäre denn damit gewonnen, wenn man wirk-lich alle Güter und alle Preise addieren könnte?
Auch die Amlaufsgeschwindigkeit ist — das haben frühereNationalökonomen schon richtig erkannt — nicht festzustellen, undselbst das, was als Geldmenge zu betrachten ist, ist durchaus un-sicher. Wie Fisher nun mit allen diesen Größen umspringt,um sie sür seine Zwecke feststellbar zu machen, das kann nurwiederum den schärfsten Widerspruch herausfordern. Einem anExaktheit gewöhnten Naturwissenschaftler — und die mathematischeDarstellungsweise legt unwillkürlich einen solchen Vergleich nahe —müßten dabei die Äaare zu Berge stehen. Er verkennt damitganz die Aufgabe und Möglichkeiten der ökonomischen Wissen-schaft. Es handelt sich nicht darum, die Ursache der Preisver-
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