Zunächst die individuelle Verkehrsgleichung. Wenn ich mir1 Pfund Zucker für 30 Pf. kaufe, bedeutet das niemals, daß ichbeide für gleichwertig halte. Warum würde ich sie denn kaufenund nicht lieber die 30 Pf. behalten. Mit anderen Worten:Der Preis ist kein Ausdruck eines subjektiven Wertes, eine dersimpelsten Wahrheiten, ohne die es überhaupt keine richtige Er-kenntnis der Tauschvorgänge gibt. Sonst müßte ich ja, wenn ichgleichzeitig für eine Reise nach Berlin , für ein Buch und fürein Paar Stiefel je 20 M. gebe, alle drei für gleichwertig halten.Das ist aber nicht im geringsten der Fall. Nur die Kosten,die ich aufwende, sind gleich. Aber die ausgetauschten Güterdarf man niemals ihrem Werte nach gleichsetzen, denn es gibtkeinen absoluten Wert. Fisher fällt, wie so viele, namentlich dieSozialisten, in die alte Lehre vom Äquivalententausch zurück,mit der man aber niemals das Zustandekommen eines Tauschesüberhaupt erklären kann, weshalb z. B. A. Smith, der auchnoch diese Vorstelluug hatte, einen besonderen Trieb der Menschenannahm, Güter gegeneinander auszutauschen. Güter und dafüraufgewendete Kosten, insbesondere Arbeitsmühe, Opfer andererGüter oder Geld sind aber nie „gleichwertig". Diese Auffassungist so oft kritisiert worden, insbesondere von der ganzen sogenanntensubjektiven Wertlehre, die allerdings nicht die Konsequenzen darauszieht, daß es kaum verständlich ist, wie Fisher sie „als eine sichereund naheliegende Voraussetzung" (S. 23) bezeichnen und näheresEingehen auf sie unterlassen kann. Freilich würde er dann seinganzes Buch nicht haben schreiben können.
Dasselbe gilt natürlich sür die allgemeine Verkehrs-gleichung, die ja einfach durch Summierung von Verkehrs-gleichungen aller individuellen Transaktionen erhalten wird. Geldund ausgetauschte Güter sind nicht ipZo kscto (I) gleichwertig;jedermann weiß, daß weder dieselbe Geldmenge noch dieselbeZuckermenge für jeden den gleichen Wert hat, und daher ist eseine durchaus falsche Voraussehung, daß „in den Gesamtsummenaller Austausche eines Jahres der Gesamtgeldbetrag gleichwertigsei mit dem Gesamtwert der gekauften Güter". Man kann wohldie Tatsache, daß ein Paar Stiefel für 20 M. angeboten wirdoder daß jemand ein Paar Stiefel für 20 M. gekauft hat, an-schreiben: ein Paar Stiefel — 20 M., aber für den Käuferbedeutet das Kosten und für den Verkäufer (Brutto-) Nutzen,54