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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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Geldmenge und Depositenmenge und ihrer Amlaufsgeschwindigkeitlängst nicht alle Amsätze erfaßt sind. Wechsel, Giro und Clea-ring vermitteln ebenso Amsätze, wirken also auf die Amlaufs-geschwindigkeit, wenn man überhaupt die realen Zahlungsmittelzugrunde legen will. Fisher geht von der Annahme aus, daßjedes Gut nur einmal verkauft werde. Dem liegt vielleicht un-klar die Empfindung zugrunde, daß die Einkommen es sind,welche die Güter kaufen, und daß man daher die Kaufkraft desGeldes von der Schätzung der Genußgüter abzuleiten habe,die mit dem Einkommen gekauft werden (s. darüber unten). Aberin Fishers Theorie der Gegenüberstellung aller Amsätze mit derGeldmenge paßt das nicht im geringsten; da hätte, wenn nichtschon so alle Voraussetzungen falsch wären, auch sozusagen dieAmlaufsgeschwindigkeit der Güter" berücksichtigt werden müssen.

Die Begründung für die alleinige Berücksichtigung der De-positen neben der Geldmenge, die völlige Außerachtlassung vonWechseln, Giro und Clearing und der dadurch betätigten Um-sätze ist jedenfalls ganz unhaltbar; ebenso die Begründung fürdie Behauptung, daß zwischen Geld- und Depositenmenge einfestes Verhältnis bestehe, weil für letztere Reserven in Geld er-forderlich seien (S. 128). So ist nicht schwer einzusehen, daßdie umfassenden Berechnungen Fishers über die Amlaufs-geschwindigkeit des Geldes und der Depositen für das, was erdamit beweisen will, jeder Bedeutung entbehren. Er kommt fürdas Geld zum Resultat, daß jeder Amerikaner in jedem Momentdurchschnittlich 15 Dollar im Besitz habe und sie 15 Tage inder Tasche behalte, also ungefähr 1 Dollar täglich ausgebe. DieZuverlässigkeit dieser Berechnung kann man daraus erkennen,daß sein Kollege, Prof. Kemmerer, die Amlaufsgeschwindigkeitbei derselben Berechnungsmethode nur auf 1:47 berechnet hatte.

Nach Fisher sind in den Vereinigten Staaten die Preisevon 1896 bis 1909 ungefähr um zwei Drittel gestiegen. Diesgeschah trotz der Verdoppelung des Handelsvolumens und infolge1. einer Verdoppelung des Geldes, 2. einer Verdreifachung derDepositen und 3. und 4. leichten Wachstums der Amlaufs-geschwindigkeit" (S. 751). Das Anwachsen der Depositen sei vongeringer Bedeutung, denn sie steigen und fallen mit dem im Um-lauf befindlichen Gelde.Wenn also die Depositen zwar ebensoschnell und nicht schneller wie das Geld zugenommen hätten, so

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