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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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wäre die ganze Zunahme dem Gelde allein beizumessen. In diesemFalle wäre keinerlei Anteil an der Preissteigerung einer Zunahmein den Depositen zuzuschreiben, denn ohne die durch die Zunahmeam Gelde veranlaßte Preiserhöhung hätte es keine solche gegeben."

Man erkennt auch hier die mathematische Gegenüberstellungganz fiktiver zahlenmäßiger Größen, die Fisher sich willkürlicherrechnet hat. Dabei entwickelt er freilich größte Sorgfalt imDetail, aber was hilft sie angesichts der falschen Voraussetzungen?Man kann die aufgewandte Mühe und den nicht geringen Scharf-sinn nur bedauern. In dieser Hinsicht ist Fishers Buch einemanderen Werk der nationalökonomischen Theorie an die Seite zustellen, das gerade auch in Amerika größten Anklang gefundenhat, Böhm-BawerksKapital und Kapitalzins", das auch trotzgrößten Scharfsinns und der eingehendsten Erörterungen vielerEinzelheiten an leichtsinnig angenommenen und nicht genügenddurchdachten falschen Voraussetzungen gescheitert ist.

Doch betrachten wir noch die allgemeinen Resultate, zu denenFisher gelangt. Er führt aus (S. 118/119):

Die Kaufkraft des Geldes ist das Resultat von fünf, undzwar nur fünf Arsachenkomplexen, nämlich: Geld, Depositen, derenbeiderseitiger Amlaufsgeschwindigkeit und Amfang des Handels.Diese Arsachen und ihre Wirkung, die Preise, sehen wir durcheine Gleichung verbunden, welche wir die Verkehrsgleichung nannten.Wir haben gefunden, daß die fünf Arsachen ihrerseits selbstWirkungen tiefer liegender Lirsachen sind, welche völlig außerhalbder Verkehrsgleichung liegen, und zwar in folgender Weise: DerAmfang des Handels wird erhöht und daher das Preisniveauentsprechend erniedrigt durch die veränderten Bedürfnisse desMenschen, durch erhöhte Spezialisierung in der Industrie unddurch Verbesserung im Transportwesen. Die Amlaufsgeschwindig-'keit wird erhöht und das Preisniveau zu einem Steigen veranlaßtdurch AnWirtschaftlichkeit, durch Ausdehnung des Buchkredits unddurch beschleunigten Transport. Die Quantität des Geldes wirderhöht und dementsprechend auch das Preisniveau unmittelbardurch den Import sowie das Prägen von Geld, mittelbar aberdurch die steigende Produktion des Geldmetalls; durch den Bi-metallismus, der ein anderes, und zwar anfangs billigeres Geld-metall einführt, oder durch die Ausgabe von Banknoten undanderem Papiergeld. Durch Ausdehnung des Banksystems sowie62