Druckschrift 
Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
Seite
71
Einzelbild herunterladen
 

einerlei, ob man ihn mit dem Preise indentifiziert oder einenAnterschied festzustellen sucht, und auch die weiteren Unter-scheidungen von subjektivem und objektivem Tauschwert habenkeine Klarheit zu bringen vermocht, einfach deswegen nicht, weileben der ganze übliche Wertbegriff ein Irrtum ist. Man ver-kennt, daß es auf den Wert im Sinne der herrschenden Theorie,als einer Funktion von Nutzen und Seltenheit, überhaupt nichtankommt, und daß insbesondere diese Tauschwertbegriffe mit denwirklich entscheidenden wirtschaftlichen Grundbegriffen Nutzen undKosten nichts zu tun haben. Lassen wir den Tauschwert daher,wie den Wertbegriff überhaupt, ganz aus dem Spiel.

Was bedeutet das Geld in der einzelnen in den Tausch-verkehr verflochtenen Wirtschaft? Was ist, wie wir es ausdrückenwollen, dieinnerwirtschaftlicheFunktion des Geldes? Ein mög-lichst hoher Geldertrag ist zweifellos das Ziel der Erwerbs-wirtschaften. Er wird Einkommen der hinter ihnen stehendenKonsumwirtschaften und wird als solches für die Beschaffung derGenußgüter ausgegeben. Geldertrag und Einkommen, dassind in der Tat die beiden innerwirtschaftlichen Begriffe, diespezielle Beziehungen der einzelnen Wirtschaften zum Tauschver-kehr mit Geld bezeichnen. Wie steht nun das Geld mit denNutzen- und Kostenvergleichungen im Zusammenhang, in denenwir den Inhalt alles Wirtschaftens erkannt haben? Betrachtenwir da zunächst die Funktion des Geldes in der Konsum wirt-schaft näher. Die Geldausdrücke, die Preise, in denen die Kon-sumwirtschaften ihr Einkommen ausgeben, bedeuten für sie Kosten,und damit ist auch das Geld in seiner innerwirtschaftlichenFunktion in der Konsumwirtschaft an diesen einen Grundbegriffaller Wirtschaftstheorie angeknüpft. Auch das Geld muß selbst-verständlich, wenn man den tauschwirtschaftlichen Mechanismusaus den subjektiven Erwägungen der einzelnen Wirtschafts-personen ableiten will, auf die allgemeinsten ökonomischen Be-griffe zurückgeführt werden, und das geschieht eben, indem manseine innerwirtschaftliche Funktion untersucht. Das Geld ist dannebenso wie Produktionsmittel und Waren Kosten gut. Obman ein Gut bei der Produktion opfert: Produktions-mittel, oder als Tauschgut hingibt: Ware, oder als bloßes Tausch-mittel: Geld; das Opfer geschieht immer mit Rücksicht aufein zu erzielendes Mehr an Genuß, den Konsumertrag,

71