durch eine subjektive zu ersetzen versuchte, sind doch alle ökono-mischen Richtungen bisher darin einig geblieben, im Gelde undim Preise einen objektiven Wertausdruck zu erblicken. Bisherhat man immer den Geldausdruck, z. B. 10 M., als objektivenAusdruck eines subjektiven Wertes und daher rein quantitativbetrachtet. Ja, die ganze materialistisch-quantitative Auffassung,die die Wissenschaft von jeher beherrscht, hat offenbar von dieseranscheinenden Objektivität der Geldausdrücke ihren Ausgangspunktgenommen. Nur vom Gelde her ist der Gedanke eines objektivenTauschwertes, der in der Wissenschaft eine so verhängnisvolleRolle spielt, überhaupt verständlich.
In allen Kontroversen über die subjektive oder objektive Wert-lehre, wie sie namentlich in den 80er und 90er Iahren zwischenMenger , Böhm-Bawerk, Wieser, Dietzel, Scharling,Neumann u. a. ausgefochten und dann besonders von denamerikanischen Nationalökonomen fortgesetzt wurden, war es dochallgemein anerkanntes, von keiner Seite bestrittenes Axiom, daßder Winterrock — das war das damals viel gebrauchte Beispiel —,den jemand für 50 M. kauft, von ihm — 50 M. geschätztwürde. Der objektive Geldausdruck 50 M. wurde also zugleichals objektiver Ausdruck eines subjektiven Wertes aufgefaßt, unddabei ist es bis zu meiner Preistheorie, die das bestreitet undden Fehler nachweist, im wesentlichen geblieben.
Diese Auffassung bedeutet aber, wie schon gesagt, daß manden Gelderscheinungen gegenüber von der alten Äquivalenztheoriebeim Tausch, die auch sonst immer wieder hervortritt, nicht los-kommen konnte. Zwar wird prinzipiell überall zugegeben, daßman beim Tausch einen Vorteil erzielen will, aber den Geld-erscheinungen, den Preisen und Einkommen gegenüber wird dasregelmäßig vergessen. Der Preis gilt als ein allgemeiner, objek-tiver Ausdruck der Mosten bei den Verkäufern, den Erwerbs-wirtschaften, und als ein allgemeiner, objektiver Ausdruck des„Wertes" bei den Käufern, den Konsumwirtschaften.
Wegen dieses Festhaltens an der Vorstellung eines objek-tiven Tauschwertes ist keine der bisherigen Theorien „rein sub-jektiv". Es wird wohl gelegentlich in der Geldlehre betont, daßjeder das Zwanzigmarkstück, das er besitzt, verschieden schätzt, aberauf die Tausch- und Preistheorie ist diese Erkenntnis nie über-tragen worden. Man spricht immer noch von Tauschwert, ganz
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