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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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Welche Funktion hat das Geld bei den Erwerbswirtschaften?Auch hier teilt es den Tausch in zwei Teile. Genau genommenist er erst vollendet, wenn der Erwerbstätige mit seinem Geld-einkommen sich wirklich Nutzen, Bedarfsbefriedigung verschaffthat. Aber die Menschen als Erwerbswirtschaften abstrahierenheute von diesem zweiten Tauschakt, dem der Konsumwirt-schaften, und da die Wirtschaftstheorie nur die technischeTätigkeit der Menschen, die Produktion, betrachtete, hat auch siedavon abstrahiert. Die Erwerbstätigen betrachten den Gelderlösihrer Erwerbstätigkeit selbst als Nutzen, weil sie sich nachMaßgabe seiner Äöhe alle ihre Bedürfnisse damit befriedigenkönnen. Für die Erwerbstätigen sind also die Gelderträge unddie Preise ihrer Produkte oder Leistungen, in denen jene stecken,sozusagen Nutzensurrogate oder -substitute, sie verkörpern ihnendie wirkliche mit dem Geld erst zu beschaffende Bedarfsbefriedigung.Darin besteht eben die Trennung der Erwerbs- von der Konsum-wirtschaft, daß der Erwerbstätige den Geldreinertrag schon alsZiel seiner Wirtschaftstätigkeit ansieht, obwohl dieses in Wahr-heit erst mit seiner Bedarfsbefriedigung erreicht ist. Da diebisherige Wirtschaftstheorie aber nie diese, sondern immer nurdie in der ganzenVolkswirtschaft" produzierten Gütermengenim Auge hatte, hat sie auch die eigentliche Funktion des Geldesals Mittel der Bedarfsbefriedigung nicht erkennen können.

Äbrigens ist dieses Abstrahieren von der mit dem Geldertragzu erzielenden Bedarfsbefriedigung, wie wir wissen, nur dannmöglich, wenn alle Kosten der Erwerbstätigkeit in Geld ver-anschlagt werden können, wenn also die eigene Arbeitsmühe alsKosten nicht die Äauptrolle spielt. Ist letzteres der Fall, somacht der Wirtschafter eine psychische Nutzen- und Kosten-vergleichung, die den Kosten als Llnlustgefühle die Lustgefühle derBedarfsbefriedigung gegenüberstellt. Die selbständigen Erwerbs-wirtschaften aber machen eine nur quantitative Nutzen- und Kosten-vergleichung in Geldsummen. Das Geld und die Preise sindhier also Nutzen- und Kostenvergleichsmittel. Wieschon betont, ist von dieser quantitativen Nutzen- und Kosten-vergleichung, die die Erwerbswirtschaften machen, indem sie vonder Bedarfsbefriedigung der dahinterstehenden Konsumwirtschafteneinstweilen abstrahieren, die ganze quantitative Betrachtung wirt-schaftlicher Vorgänge entstanden, die in der bisherigen Theorie

R. Ltefman», Geld und Gold K 81