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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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Handlungen kommt, wird von jedem Wirtschafter in Einkommens-quoten, die in einer abstrakten Rechnungseinheit ausgedrücktsind, eine Nutzen- und Kostenkalkulation gemacht. Das konnteman freilich mit der bisherigen Wirtschaftsauffassung, die dieSachgüterbeschaffung, die technische Tätigkeit desArbeiters an der Maschine oder auf dem Felde für Wirtschafthielt, nicht erkennen.

Also in den weitaus meisten Fällen, in denen man von Geldspricht, denkt man nicht im geringsten an die realen Zahlungs-mittel, von deren Menge die Preise allein abhängen sollen,sondern man denkt an sein Einkommen und Einkommensquoten,die man für diese oder jene Bedürfnisse nach Maßgabe desganzen Wirtschaftsplans verwenden kann. Wenn ich mich frage,ob ich für 100 M. einen neuen Anzug kaufen soll, so denke ich,da mein Einkommen mir es nicht gestattet, beliebig viele Anzügezu kaufen und daneben noch alle sonstigen Bedürfnisse zu befrie-digen, nicht an Geld und Münzen, sondern ich denke daran,welche Rolle diese 100 M. als Einkommensteil in meinemgesamten Einkommen spielen. Dieses Einkommen und dieserEinkommensteil sind aber ganz abstrakte Größen, ausgedrückt ineiner allgemeinen Nechnungseinheit, auf die auch das Geld nurlautet, und die jeder, eben entsprechend seinem Einkommen, ver-schieden schätzt.

Wenn man sagt: dieser Mann hat viel Geld, so denkt mannicht an eine Summe staatlicher Zahlungsmittel, sondern man denktan sein Vermögen., und zwar an das Vermögen nicht alsSumme verschiedenartiger Sachgüter, sondern Vermögen ist ebenauch, wie alle heutigen wirtschaftlichen Begriffe ein Geldausdruck,ein Ausdruck in der Geldrechnung, in dem veranschlagte Preisealler sachlichen Besitzstücke und aller Forderungen in einer Summezusammengefaßt werden. Sagt man: dieser Mann verdient vielGeld, so denkt man ebenfalls nicht an eine Summe staatlicherZahlungsmittel, sondern man denkt an das Einkommen desMannes, nicht in Geldstücken, sondern in einer abstrakten Rech-nungseinheit. Ebenso wenn man von Geldkapital, Geldmarktusw. spricht.

Man könnte dieser Auffassung gegenüber vielleicht einwenden,daß das Geld dem Einkommen gegenüber das logisch Primäresei. Das ist aber nicht zutreffend. Die Vorstellung des Geldes

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