Wenn es andererseits gelänge, den Ausdruck Münze nichtnur auf die geprägten, sondern auch auf die gedruckten staatlichenZahlungsmittel, die ja auch „gestempelt" werden, anzuwenden,könnte man umgekehrt den so allgemeinen Begriff Geld, in demder Gedanke der allgemeinen Annahme enthalten ist, für die ab-strakte Rechnungseinheit beibehalten, an die man heute in denmeisten Fällen denkt, wenn man von Geld spricht. Es könntendann die großen Irrtümer der bisherigen Geldlehre sehr vielleichter vermieden werden. Doch da wir den Sprachgebrauch nichtändern können, müssen wir eben den Tatbestand klar im Augebehalten, daß er mit Geld zwar sehr verschiedene Dinge bezeichnet,von denen die abstrakte Rechnungseinheit die ungleich wichtigere,aber eben wegen ihrer Abstraktheit noch gar nicht genügend be-achtet ist.
Diese „abstrakte" Auffassung des Geldes ist ein Ergebnisunserer ganzen psychischen Wirtschaftstheorie, die auch auf dasGeld anzuwenden ist und gerade auch in diesem Punkte der her-gebrachten quantitativ-materialistischen Wirtschaftsauffassung voll-kommen entgegengesetzt ist. Welche weiteren Schlüsse daraus fürdie Spezialfragen der Geldlehre zu ziehen sind, das soll in denfolgenden Kapiteln, wenn auch nicht erschöpfend, erörtert werden.In diesem Kapitel bringen wir noch einige allgemeine Fragen zurSprache, zunächst die nach dem Begriff und der Definitiondes Geldes.
Man hat gewaltigen Scharfsinn und Mühe darauf verwen-det, das eigentliche Geld von den Geldsurrogaten und den privaten!lmsatzmitteln abzugrenzen, insbesondere auch die Frage zu ent-scheiden, ob auch die Banknoten Geld seien. Diese Versuchemußten, wie man jetzt erkennt, scheitern an dem Doppelbegriffdes Geldes, an der Tatsache, daß in der weit überwiegendenMehrzahl der Fälle das Wort Geld im Sprachgebrauch nichtdie stofflich vorhandenen Münzen oder Papierscheine, sondern einegedankliche, rein abstrakte Rechnungseinheit, einen bloßen „Nenner"bezeichnet. Es ergibt sich nun aus unseren Ausführungen klardie für die metallistische Geldlehre und darüber hinaus für dieganze materialistische Wirtschaftsauffassung wichtige Tatsache, daßdas Geld, wie der Begriff in der großen Mehrzahl der Fälle imSprachgebrauch verstanden wird, nicht sachlich definiertwerden kann.94