erhält es die innerwirtschaftliche Funktion der allgemeinen Rech-nungseinheit, in der das Wesen des Geldes enthalten ist. Also,wie alle wirtschaftlichen Erscheinungen, läßt sich auch das Geldletzten Endes nur individualistisch erklären. Alle von der „Volks-wirtschaft" ausgehenden Betrachtungen müssen notgedrungen ander Oberfläche bleiben. Das wird klar, wenn man nur überhauptdas Wesen aller Wirtschaft als etwas Psychisches richtig er-kannt hat.
3. Zur „Philosophie" des Geldes
Äber das Geld ist schon unendlich viel philosophiert worden.Vielleicht ist dadurch auch die Philosophie gefördert worden, ichkann aber nicht finden, daß man damit der Erkenntnis der Funk-tionen des Geldes im Mechanismus des Tauschverkehrs nähergekommen sei. Wir wollen hier nun keineswegs Philosophietreiben, sondern nur einige Ergebnisse unserer Geldauffassung vor-führen, die sich auf vielerörterte, das Geld betreffende allgemeineFragen beziehen.
Mit der ganzen quantitativ-materialistischen Wirtschaftstheoriehängt es zusammen, daß man immer die Gelderscheinungen unddie Preise als ein Mengenverhältnis zwischen Gütern auffaßte.Wenn z. B. L. v. Mises („Theorie des Geldes undder Amlaufsmitrel", 1912) fragt (S. 33): „Als den Kernunserer Aufgabe sehen wir die Entwicklung der Gesetze an, diedas zwischen dem Gelde und den übrigen wirtschaftlichen Güternbestehende Austauschverhältnis bestimmen, dies und nichts anderesist die Aufgabe der rationalen ökonomischen Theorie des Geldes",so ist diese Fragestellung vom Standpunkt der bisherigen Theorieaus ganz berechtigt, aber Mises tut nichts zu ihrer Lösung underkennt nicht einmal, daß ihre Lösung eben eine wirkliche Preis-theorie verlangt, die mit den heute als Preistheorie bezeichnetennaiven Erörterungen nichts gemein hat/) denn das sogenannte„Austauschverhältnis zwischen dem Gelde und den übrigen wirt-schaftlichen Gütern" sind die Preise, und erst wenn man ihreBildung erklärt hat, kann die Geldtheorie überhaupt anfangen.
*) Durchaus verkehrt ist es daher, wenn v. Mises den Chartalistenvorwirft, daß sie nicht einmal den Versuch machten, jene Frage zu lösen;das gilt für alle Metallisten ganz ebenso. Ist doch regelmäßig der Preisals eine Gütermenge definiert worden.
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