Vom Standpunkt dieser psychischen Wirtschaftstheorie seiüber das Wesen des Geldes noch folgendes gesagt. Es ist nahe-liegend, das Geld als Vergleichsmittel von Nutzen und Kostenanderen Vergleichsmitteln oder Maßstäben gegenüberzustellen.Auch das Thermometer ist ein Vergleichsmittel für etwas Sub-jektives, die Wärme, und die Gewichte ebenso für den Druck.Daß man für Empfindungen einen allgemeinen objektiven Ver-gleichsmaßstab schafft, ist also nichts Angewöhnliches. Aber wiefunktioniert dieser Vergleichsmaßstab? Sagt 10 Grad Celsiusauch nur, daß ich diese Wärme halb so stark empfinde als 20 GradCelsius? Geschweige denn, daß zwei Menschen dieselbe Grad-angäbe von Wärme in gleicher Weise empfinden? Gewiß nicht.10 Grad Wärme bedeutet für mich unter verschiedenen Bedin-gungen etwas sehr Verschiedenes, nicht nur in bezug auf ver-schiedene Objekte, etwa Wasser ödere äußere Luft, sondern auchin bezug auf dasselbe Objekt. Wasser zum Trinken oder zumBaden, äußere Luft bei Wind und bei Windstille, feucht odertrocken, im Hochgebirge oder im Tale usw. Trotzdem die meistenMenschen eine ungefähre gedankliche Vorstellung davon haben,welche Wärmeempfindung sie unter bestimmten gegebenen Ver-hältnissen bei einer äußeren Lufttemperatur von 10 Grad haben,kann man doch nicht sagen, daß die Wärmeempfindungen hiereinen allgemeinen objektiven Ausdruck finden. Der künstlich ge-schaffene gemeinsame Wärmemesser bleibt doch immer nur indi-viduelles Vergleichsmittel, das nur unter gleichen subjektiven Be-dingungen als solches gebraucht werden kann und nach außengar nichts Subjektives aussagt.
Ähnlich ist es beim Preis, doch ist er noch mehr ein technisch-quantitativer Ausdruck und von subjektiven Empfindungen, „Wert-schätzungen" noch viel weiter entfernt. Trotzdem alle Menschen einesGebietes für ein Paar Stiefel 20 M. bezahlen, schätzt jedereinzelne die Stiefel wie die 20 M. verschieden, und für beidesgibt es keinen Ausdruck. 20 M, 1 Zentner, 10 Grad Celsiussind an sich objektive Bezeichnungen. Der Unterschied zwischendem Preise und der Wärme- oder Gewichtseinheit besteht nurdarin, daß jene objektive Tatsache des Preises eine soziale Er-scheinung ist — d. h. natürlich nicht im Sinne der unklaren Sozial-begriffe der Soziologen, die im Tauschverkehr ein Gebilde miteigenen sozialen Zwecken sehen, sondern nur in dem Sinne, in102