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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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schaftlichen Funktion als Generalnenner der Nutzen- und Kosten-vergleichung etwas Sich gleichbleibend es ist; sondern es ver-ändert sich, und zwar, wie wir einstweilen allgemein sagen können,durch Veränderung seiner Menge. Zwar kommt etwas Ähnlichesauch bei anderen Vergleichsmitteln vor; die Bestimmungsgründeder Thermometerflala, das Gefrieren des Wassers als Bestimmungdes Nullpunktes, das Kochen des Wassers als Bestimmung derGradeinteilung 100 bedeuten auch nicht immer dasselbe. Dennin Wahrheit ist das Kochen des Wassers vom Luftdruck ab-hängig, weshalb es an hochgelegenen Orten schon zu einem erheblichgeringeren Grade als 100 zum Kochen kommt. So gilt also auchhier die Wärmemessung nur unter der Voraussetzung rebus 8icstantibus. Der Anterschied ist aber der, daß diese Veränderungenim Vergleichsmittel Geld für den einzelnen Wirtschafter in der Regelnicht feststellbar sind, daß sie teils aus dem Tauschverkehr selbst,teils aus dem Eingreifen des Staates in das Geldwesen sichergeben und daß es sich bei der Feststellung von Preisen nicht wiebei Feststellung von Wärme nur um eine individuelle Angelegen-heit handelt, sondern daß die Preisbildung, also die Benutzungdieses schwankenden, selbst nicht stabilen Vergleichsmittels Geld,die Folge eines ungeheuer komplizierten tauschwirtschaftlichenProzesses sind, in dem Millionen von Wirtschaftern mitwirken.

Schließlich sei noch kurz auf ein anderes Problem eingegangen,das in diePhilosophie des Geldes" gehört und das deutlich zeigt,was dabei herauskommt. Man hat sich den Kopf darüber zer-brochen, daß das Geld doch nicht als in alle Ewigkeit zirkulierendgedacht werden könne. Man hat beim Gelde die Antinomie ge-funden:Geld kann nicht ohne Ende zirkulieren denn es mußeine schließliche Befriedigung, eine Einlösung als Abschluß er-warten lassen. Geld muß ohne Ende zirkulieren, denn nur imewigen Weitergegebenwerden, in der Funktion liegt sein Wesen,und der Begriff des Endes bedeutet Negation und Aufhörendieses Wesens" (Bruno Moll ,Logik des Geldes", 1916,S. 27 ff.).Aber," fährt der Verfasser fort (S. 29):Das Zir-kulieren kann nicht letzter Zweck sein, es kann nicht bis in alleEwigkeit fortgehend gedacht werden. Einmal muß eine Einlösungkommen, eine Befriedigung."

Im 4. Kapitel seines Buches: Eigener Lösungsversuch:Grundlegung einer wirtschaftlichen Theorie des

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