wirtschaftlichen Lebens abstrahiert. Kein Wirtschafter denkt daran,was schließlich aus dem Papiergeld oder den Scheidemünzen wird,er nimmt sie gerade so, wie sich ein anderer eine Forderung aufsein Bankkonto gutschreiben läßt. Die Möglichkeit eines Zu-sammenbruchs seiner Bank oder auch der Anternehmungen, an denener beteiligt ist, ist für jeden Wirtschafter unendlich viel größerals die Möglichkeit des Zusammenbruchs des staatlichen Geldes,wobei er zudem höchstens die geringe Summe riskiert, die er ge-rade in Geld und in auf Geld lautenden Forderungen besitzt.Der in den Geldtauschverkehr verflochtene Wirtschafter will ebenüberhaupt nicht „sicheren Besitz" irgendwelcher Sachen, sonderner will Erträge. Ihm genügt, daß er ein Einkommen hat,das in Geld, d. h. in der allgemeinen Rechnungseinheit, verrechnetwird und mittels dessen er seine Bedürfnisse befriedigen kann.Wäre es richtig, wie der Verfasser meint, daß Geld der sichersteBesitz wäre, warum häuft dann nicht jeder Geld auf? Wassollten dann aber alle mit dem Gelde anfangen? Es kommt dochimmer wieder nur das Weitergeben in Betracht. Die ganze Geld-wirtschaft beruht eben darauf, daß der Wirtschafter der „sicheren"Eigenproduktion, die ihm Sachgüter verschafft, die nach der heu-tigen „Güterlehre" vermeintlich unsichere Erzielung eines Geld-einkommens vorzieht, weil er weiß, daß er damit seine Be-dürfnisse viel vollkommener befriedigen kann. Was schließlich ausden paar Geldstücken wird, die im Verhältnis zu dem bloß ver-rechneten Einkommen des einzelnen Wirtschafters und zu dengesamten Amsätzen heutzutage eine verschwindende Rolle spielen,das interessiert keinen wirtschaftenden Menschen. Wer das nichterkennt, hat überhaupt vom Wesen der Wirtschaft keine Ahnung.
Die ausschließliche Betrachtung der zirkulatorischen Funktiondes Geldes ist ebenso einseitig wie die des Stoffwertes. DasGeld muß neben seiner tauschwirtschaftlichen Funktion als all-gemeines Tausch- und Zahlungsmittel auch in seiner „innerwirt-schaftlichen" Funktion betrachtet werden, in welcher es eben nicht„Wertmaßstab" ist, wie die bisherige Theorie lehrt, sondernGeneralnenner der Nutzen- und Kostenvergleichung.Dann erkennt man, daß sich das Geld überhaupt nicht sachlichdefinieren läßt, sondern daß es eine abstrakte Rechnungseinheitist, die jedermann verschieden als Kosten schätzt, und zwar nachseinem individuellen Einkommen. Diese abstrakte Nech-
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