Sechstes Kapitel
Der „Wert" des Geldes
ie nach aller bisheriger Auffassung die Wertlehre imZentrum der ganzen ökonomischen Theorie steht und denÄauvtstreitpunkt und Äauptgegensatz der verschiedenen Richtungenbildet, so ist auch in der Lehre vom Gelde die Frage nachdem Werte des Geldes der Kernpunkt aller ihrer Problemeund das letzte Unterscheidungsmerkmal ihrer verschiedenen Rich-tungen. And wie schon im allgemeinen Wertbegriff, einerlei obnach der objektiven oder subjektiven Werttheorie, einer derHauptfehler aller bisherigen Theorien enthalten ist, die Ver-wechslung von Wert und Preis, so knüpfen auch in der Fragenach dem Werte des Geldes alle Streitfragen an jenen grund-legenden Irrtum an.
Schon Aristoteles hat das Hauptproblem des Geldes dahinformuliert, ob das Geld ^6,uv oder sei, aus dem Gesetzoder aus der Natur stamme. Diese Grundfrage hat bis heute inwechselnder Gestalt die Geldtheorie beherrscht und ist in der neuerenTheorie entsprechend der in ihrem Mittelpunkt stehenden We rt-lehre zu dem Gegensatz von metallistischer und chartalisti-scher Geldtheorie zugespitzt worden. Nach der ersten stammt derWert des Geldes aus der Natur, d. h. er stammt von einemwertgeschätzten Stoffe, auf den das Geld lauten muß, heutein der Regel Gold. Nach der anderen stammt das Geld ausdem Gesetze, es ist, wie Knapp, der Äauptvertreter der char-talistischen Theorie, es ausdrückt, ein „Geschöpf der Rechts-ordnung". Aber in Wahrheit ist die chartalistische Auffassung,wie sie Knapp auf die Spitze getrieben hat, indem er überhauptkeine ökonomische, sondern nur eine „Staatliche Theorie des Geldes"lieferte, nur eine Abart eines weiteren Inbegriffs von Geldtheorien,die Knapp die nomin alistischen genannt hat. Für sie ergibt sichder Wert des Geldes nicht aus dem Wert seines Stoffes — der110