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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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(§ 50). Dieser istals die Geltung zu definieren, welche dasGeld kraft des allgemeinen Preisstandes für alle Beteiligten imvolkswirtschaftlichen Prozesse hat." Daß es so etwas nicht gibt,dürfte nach unsern bisherigen Ausführungen klar sein. Der Fort-schritt liegt bei v. Wieser darin, daß er prinzipiell die Beziehungdes Geldwerts zum Einkommen erkennt, aber auf Grund seinerWerttheorie und der ganzen streng materialistischen Auffassung, inder auch das Einkommen meist als eine Gütermenge erscheint,kommt er nicht zurrein subjektiven", individuellen Erfassung desGeldes; seine ganze Auffassung derVolkswirtschaft" ist durchAnlehnung an die soziale Betrachtungsweise verkehrt,*) und ins-besondere wegen des Mangels jeder Preistheorie, die wirklichdiesen Namen verdient, bleiben seine häufig recht zutreffenden Ein-sichten in das Geldwesen unklar und unbegründet und sind besten-falls Fremdkörper in seinem streng materialistisch-quantitativenSystem.

2. Der Metallismus

Durch die von Knapp glänzend verwerteten Erfahrungen derGeldgeschichte, dann auch durch die Beobachtungen im Kriege istdie bisher unbedingt herrschende Ansicht über den Wert desGeldes, die metallistische, zweifellos weiter erschüttert worden.Eine ganze Reihe von Nationalökonomen, namentlich solche, diesich nicht theoretisch festgelegt haben, lehnen den Metallismus inder Geldlehree durchaus ab, aber wegen des trostlosen Zustandes derganzen Wirtschaftstheorie wissen sie nichts anderes an seine Stellezusetzen. Daraus ist die Knappsche staatliche Theorie entstanden;ein ökonomische Begründung des Nominalismus aber fehlt noch.

Andererseits fußt der Metallismus auf allgemeinen theoreti-schen Anschauungen, die im wesentlichen schon längst überwundenund zum alten Eisen geworfen sind, die aber an dieser Stellewieder hervorgeholt werden. Metallistische Geldlehre undobjektive Werttheorie, Produktionskostentheoriehängen eng zusammen. Jene ist nur mit dieser zu begründen.Nur wenige aber haben noch den Mut, sich auf den Boden derLehre zu stellen, daß derWert" der Güter durch ihre Produk-tionskosten bestimmt werde, wenn auch mangels einer wirklichen

Vgl. dazu meine eingehende Besprechung in derZeitschrist fürPolitik", 8. Band, 1915.

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