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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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Goldwährung einführte, z. B. bestimmte, daß 100 Dukaten auseinem Pfund Feingold geprägt werden sollen. Dann würde derVerkehr sich das sofort in die allgemeine Rechnungseinheit Markumrechnen, und danach würden sich alle Preise und Einkommengestalten.

Die Überschätzung des Geldes als der gesetzlichen Zahlungs-mittel zeigt sich auch bei vielen anderen Autoren, z. B. beiÄelfferich, wenn ersagt (a.a.O.,S.353):Die Reichsgoldmünzenwerden vom Empfänger nicht angenommen als Waren, die sie ver-kaufen wollen, sondern in ihrer vom Recht bestätigten Eigenschaftals gesetzliche Zahlungsmittel." Lassen wir den Warencharakterdes Geldes außer Erörterung, so ist doch sicher, daß ÄelfferichsBehauptung für die ungeheure Mehrzahl der Geldumsähe nichtzutrifft. Niemand denkt selbst jetzt im Kriege, wo bei ausschließ-lichem Papiergeldumlauf die Eigenschaft des gesetzlichen Zahlungs-mittels viel größere Bedeutung hat, an die rechtliche Grundlagedes Geldes, er denkt überhaupt nicht an Zahlungsmittel, sonderner denkt an Einkommensquoten, die er von Dritten zu fordernhat, wobei es ihm ganz gleichgültig ist, ob sie in gesetzlichenZahlungsmitteln ausgezahlt oder ihm irgendwie auf Bankkonto ver-rechnet werden. Er denkt letzten Endes nur daran, was er sichmit seinem Guthaben für Bedürfnisse befriedigen kann, und mankann das Geld nur deshalb keine Ware nennen, weil überhaupt inder Regel nicht Geldstücke, sondern bloß verrechnete, in der be-stehenden Rechnungseinheit ausgedrückte Summen, letzten EndesEinkommensteile umgesetzt werden.

In neuester Zeit gibt es nun einige Schriftsteller, dieNomi-naliste n sind, aber nicht eigentlich als Vertreter der Anweisungs-theorie noch der Chartaltheorie bezeichnet werden können, weil siezu dieser Frage keine Stellung nehmen. Es gehören dahin vorallem v. Wieser und in gewisser Äinsicht auch O. Äevn. Siesuchen denWert" des Geldes aus dem Wert der Güter, dieman damit kauft, abzuleiten, und vor allem v. Wieser kommt mitseiner Erkenntnis, daß das Einkommen der Geldwertbestimmungs-grund sei, unserer Auffassung in diesem Punkte am nächsten.(Grundriß der Sozialökonomie", Band I, besonders S. 301 ff.).Aber als Grenznutzler glaubt er noch an einen absoluten, durchNutzen und Seltenheit bestimmtenWert" der Güter und kennteinenvolkswirtschaftlichen, objektiven Tauschwert des Geldes"

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