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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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Tatsache, daß der größte Teil aller Amsätze nicht bezahlt, sondernverrechnet wird, vor allem auch die Verkennung der Tatsache,daß die Kaufkrast des Geldes von den Einkommen abhängt.And daher scheint mir auch die Betonung der Zahlungsmittel-funktion des Geldes und der staatlichen Bestimmung, daß manGeldschulden in dem vom Staat mit dem Nennwert gegebenenLimfange damit tilgen könne, übertrieben zu sein. Ich glaube nicht,daß diese Möglichkeit die Kaufkrast des Geldes auf die Dauerbeeinflussen kann. Einfach deswegen, weil diese rechtliche Be-stimmung an den Ein kommensv erhältnissen in der Volks-wirtschaft nichts ändert. Auch scheint sie mir durch dieErfahrung nicht bestätigt zu sein. Steigen infolge starker Geld-vermehrung und dadurch bewirkter Einkommensverschiebungen diePreise, so erleiden zwar die Gläubiger aus auf Geld lautendenVerträgen, also die Empfänger von Leihzinsen u. dgl., Verluste,aber dem passen sich die Leih-, Miet- und Pachtpreise alsbaldan. Entscheidend für den Geldwert sind auch hier einzig undallein die Einkommen und die bei starker Geldvermehrung ein-tretenden Einkommensverschiebungen. Aber die Festsetzung desNennwertes durch den Staat ist immer etwas rein Deklaratori-sches, und zwar ganz einerlei, ob bei Gold- oder bei Papier-währung, nur daß bei der ersteren die inländische Kaufkraft derNechnungseinheit mit der des Auslandes intensiv verknüpft ist(s. darüber im 7. Kapitel).

Gerade bei der Festsetzung eines Nennwertes für sein Gelddurch den Staat tritt das Subsidiäre des Geldes in diesem Sinne,der staatlichen Zahlungsmittel, und seinerRechtsordnung"gegenüber dem allgemeinen Tauschmittel, der abstrakten all-gemeinen Rechnungseinheit, deutlich hervor. Denn derStaat kann bekanntlich diesenNennwert", seine ganze Währungnicht künstlich, aus dem Nichts schaffen, sondern muß immer anfrühere Währungen, d. h. an eine früher ausgebildete allgemeineRechnungseinheit, anknüpfen. Der Staat kann nicht sagen: ichführe jetzt eine Dukaten- und Kreuzerwährung ein, eine Dukatezu 100 Kreuzer, sondern jedes neugeschaffeneGeld" muß andas alte anknüpfen, d. h. in Wahrheit an die allgemeineNechnungseinheit, die sich eingelebt hat und die rechnungs-mäßige Grundlage aller Preise und Einkommen bildet. Daswäre charakteristischerweise selbst dann nötig, wenn der Staat eine118