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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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werte auf seiner Zahlungs- und Kaufkraft, wie etwa der Werteines uneinlöslichen Papiergeldes". Das ist aber, wie gesagt,eine Tautologie, die gar nichts besagt und erklärt. Was ist dennder" Wert des Geldmetalls? Es gibt nichts anderes als einenPreis des Geldmetalls in Mark, Franken, Dollars usw. DieserPreis des Goldes in Mark ist, wie alle Preise, nicht nur ab-hängig von der deutschen Nachfrage nach Gold, hier also vonder aus dem internationalen Zahlungsverkehr sich ergebendenMöglichkeit einer rentablen Goldversendung nach Deutschland ,sondern ebenso von den Möglichkeiten der Goldlieferung nachFrankreich, Amerika usw. Aber deswegen bleibt es doch richtig,daß derWert" des inländischen Geldes, genauer: die Kaufkraftder inländischen Nechnungseinheit, nicht von demWerte" desEdelmetalls abhängig ist, von ihm bestimmt wird, ihm entsprichtoder wie man das ausdrücken will. Dennden" Wert desEdelmetalls, d. h. einen internationalen, allgemeinenWert" desEdelmetalls gibt es nicht, das Gold hat in jedem Lande einenanderenWert", Preis oder Kaufkraft. Da es aber diesenWert" in erster Linie deshalb hat, weil es als Preisausdrucks-'Mittel, als Geld dient, so spricht sich dieser inländische Wert ebennicht im Gelde oder Golde aus, sondern nur in den recht ver-schiedenen Mengen von Waren, die in verschiedenen Ländern mitderselben Goldmenge gekauft werden können, oder in den ver-schiedenen Preisen, mit welchen dieselbe Warenmenge in denverschiedenen Ländern gekauft werden kann. Daher die alte Vor-stellung von der Wertbeständigkeit des Metallgeldes, eine Auf-fassung, die also nicht einmal für den Wert des Edelmetalls zurselben Zeit in den verschiedenen Ländern richtig ist. Daß beisreier Prägung Deutschland sür ein Pfund Feingold ständig1392 M. bezahlt, bedeutet wohl, daß ein Psund Feingold hierimmer 1392 M.wert" ist denn der einzige Ausdruck diesessogenanntenWertes" ist ja der Preis. Aber es besagt nicht,daß dieser Preis, also 1392 M, den anderen Waren gegenüberdasselbewert" ist, und auch nicht, daß ein Pfund Feingold denanderen Waren gegenüber immer dasselbe bedeutet.

Nicht die Geldmenge und erst recht nicht die Goldmengekauft die Waren, sondern die Einkommen kaufen sie, sie be-stimmen die Kaufkraft der Rechnungseinheit und damit die Preise,von denen der des Goldes nur als einer von unzähligen in das

R. Liefmann , Geld und Gold Iv 145