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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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ein Schätzungsbegriff ist, stehen mit den Zahlungsmittelnder anderen Staaten, die auf dieselbe Ware, Gold, lauten, inZusammenhang. Sie stehen mit ihnen in demselben Zusammen-hang, in dem alle Waren in allen Ländern in Zusammenhangmiteinander stehen. Aber durch das Ertragsstreben als Be-stimmungsgrund aller Preise und durch den daraus hervorgehen-den Austausch von Waren und Forderungsrechten stehen auchdie Nechnungseinheiten aller Länder, stehen mit anderen Wortendie Preise der ganzen Welt in einem gewissen Zusammenhang.Davon hatten die bisherigen sogenanntenPreistheorien" freilichüberhaupt keine Ahnung.

Die sogenannte Kaufkraft des Geldes, wissenschaftlich aus-gedrückt, die Schätzung der allgemeinen Rechnungseinheit alsKosten, beruht also weder auf demWerte" des Edelmetalls nochauf seiner Deckung durch Edelmetall, sondern sie beruht aufden Einkommen, d. h. auf den Bedürfnissen, die mandamit befriedigen kann. Daß wir 1392 M. für ein Pfund Fein-gold geben, sagt gar nichts über die Bedeutung der Mark alsNechnungseinheit und damit über die inländischen Preise, dieeben nicht in der Münze Einmark- oder Zwanzigmarkstück sondernin der bloßen Rechnungseinheit Mark, in der die Einkommenkalkuliert werden, ausgedrückt sind. Wir stabilisieren daher auchunser Geldwesen keineswegs dadurch, daß wir seit 40 Jahren dasPfund Gold für 1392 M. kaufen und jedem, der Gold bringt,soviel dafür in deutschen Zahlungsmitteln geben. Die Gold-Währung und freie Prägung ist nichts weiter als ein bequemesMittel, internationale Forderungen, die nicht durch Amschreibungenerledigt werden können, in einer Ware auszugleichen, die alsGeld von jedermann gern genommen wird. Sie hat weiter denZweck, daß wenn das Vertrauen in die staatliche Geldpolitik er-schüttert ist und das war früher wegen der fortgesetzten Ein-griffe des Staates in das Geldwesen sehr oft der Fall, dieDeckung in diesem nur beschränkt vermehrbaren Metall die Sicher-heit gibt, daß eine Vermehrung der staatlichen Zahlungsmittel inbeschränkten und für die Schätzung der Rechnungseinheit unschäd-lichen Grenzen bleibt.

Das ist der große Vorteil der Goldwährung, der aber nichthindert, daß die Preise, d. h. also die Kaufkraft des Geldes injedem Lande verschieden sind. Aber es wäre doch zu weit ge-148