Druckschrift 
Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
Seite
156
Einzelbild herunterladen
 

Achtes KapitelGeldvermehrung und Preise

I. Allgemeines über dasGeld alsArsache derPreis-Veränderungen

^V^och eines der wichtigsten Probleme der Geldtheorie bleibt zubesprechen: die Frage der Geldvermehrung. In derbisherigen Literatur ist viel von dem Geldbedarf einer Volks-wirtschaft die Rede. Darüber möchte ich nur kurz folgendessagen: Der Verkehr braucht für die Amsätze des täglichen Lebensein gewisses Maß realer Zahlungsmittel. Ihre Menge, derGeldbedarf", richtet sich nach den Lebensgewohnheiten und nachden Zahlungssitten, ist aber für ein Land schwer einheitlich undzahlenmäßig festzustellen, da er in den verschiedenen Landes-teilen und verschiedenen Bevölkerungsschichten sehr verschiedenzu sein pflegt. Auch nach den einzelnen Geldsorten besteht eingewisser, aber ebenfalls in einzelnen Gegenden sehr verschiedenerund auch zeitlich oft wechselnder Bedarf. Ein zu großes Fehlengewisser Münzsorten kann mancherorts als ein Mangel emp-funden werden. So ist durch die Trambahnen und neuerdingsdurch die Automaten der Bedarf an Zehnpfennigstücken erheblichgesteigert worden und steigt z. B. an kleinen Orten, wo dieseDinge eingeführt werden. Aber abgesehen davon, gibt es einenbestimmtenGeldbedarf" in der ganzen Volkswirtschaft als eineirgendwie zahlenmäßig erfaßbare Summe aller Zahlungsmittel,über die der Staat nicht wesentlich hinausgehen und unter die ernicht wesentlich hinabgehen dürfe, nicht. Was darüber in denLehrbüchern, z.B. bei Philivpovich (Grundriß ", 9. Aufl.,§ 88), zu finden ist, ist viel zu einseitig vom metallistischen Stand-punkt aus gesehen, der nur das vollwertige Metallgeld alseigentliches Geld ansieht. Einerseits spielt das bare Geld über-haupt eine zu geringe Rolle im Vergleich zu allen Amsätzen,andererseits ist der Faktor Amlaufsgesch windigkeit zu156