Druckschrift 
Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
Seite
165
Einzelbild herunterladen
 

durch seine Nachfrage allein die meisten Preise nicht ändern,sich mehr dafür kaufen, d. h. auch weniger dringende Bedürfnissebefriedigen. Wann aber würden im ganzen Tauschverkehr allePreise steigen, wann also könnte man noch am ersten davonsprechen, daßdie Kaufkraft des Geldes" gesunken sei? WennEinzelne ein höheres Einkommen erzielen, muß das noch nichtder Fall sein. Sie erzielen es z. B. auf Grund von Kosten-ersparungen, die bewirken, daß andere Leute ein geringeres Ein-kommen oder überhaupt weniger Leute Einkommen erzielen. Er-sparungen am Kostenfaktor eigene Arbeitsmühe z. B. bedeutenwohl auch verminderte Kosten, psychisch, aber Einkommens-steigerungen auf Grund vermehrter Nachfrage nach den ange-botenen Waren sind nur möglich vom Verzicht auf andereKonsumgegenstände, der deren Anbietern ein vermindertes Ein-kommen bewirkt, abgesehen, wenn die Einkommen der Nach-fragenden selbst aus irgendwelchen Gründen gestiegen sind. Wenndie Geldmenge nicht vermehrt wird, können Preissteigerungeneinzelner Waren nur dadurch eintreten, daß die Preiseanderer fallen. Es treten dann Einkommensverschiebungen ein,die z. B. mit Kostenänderungen oder mit Änderungen in denBedürfnisrichtungen zusammenhängen können. Aber eine all-gemeine Preissteigerung auf dieser Grundlage, eine Erhöhungdes gesamten sogenannten Preisniveaus ist unmöglich, undeine Aufstellung von Jndexnummern, in der die Preiserhöhungeneinzelner Waren die Preisverminderungen anderer übertreffen,gibt kein richtiges Bild der Vorgänge im Tauschverkehr, der Be-ziehungen zwischen Geld, Einkommen und Preisen.

Eine Erhöhung aller Preise ist nur denkbar bei Ver-mehrung der Geldmenge. Doch wird sie auch da nur höchstselten, etwa bei vollkommener Assignakenwirtschaft, Platz greifen,und von einer proportionalen Steigerung aller Preise kann wederin ihrem Verhältnis zueinander noch zur Geldmenge jemals dieRede sein. Am das zu erkennen, muß man sich vergegenwärtigen,wie eine Geldvermehrung wirkt. Sie wirkt nicht automatisch, sodaß von selbst die Preise steigen, wenn der Staat die Noten-presse in Bewegung setzt, etwa infolge automatisch und progressivsinkenden Vertrauens zum Staatsgelde, das dann einen immermehr sinkenden Kurs erhält so hat man sich die Sache bishermeist vorgestellt, sondern sie wirkt nur durch plötzlich eVer-

165