Sobald sich eine bestimmte Rechnungseinheit einmal ein-gelebt hat, brauchen die papiernen Zahlungsmittel, wenn nur ihreMenge nicht willkürlich vermehrt wird, an sich gar nicht gedeckt zuwerden. Denn sie bekommen ihre „Kaufkraft" doch nicht von ihrerDeckung. Aber dennoch ist es natürlich zweckmäßig, sie in irgend-einer Weise zu decken, da der Staat doch immer mit der Mög-lichkeit rechnen muß, daß in politischen und wirtschaftlichen Krisendas Vertrauen in die allgemeine Zirkulationsfähigkeit und über-haupt das Vertrauen in die Rechnungseinheit verloren geht.Aber wenn nur der Staat auch in solchen kritischen Zeiten dieBenutzung der Notenpresse, um sich neue Kaufkraft zu schaffen,unterläßt, ist eine Deckung durch solide Warenwechsel völlig aus-reichend. Sie hat den Vorteil, das Geldwesen direkt mit denBedürfnissen des Tauschverkehrs nach Zahlungsmitteln zu ver-binden. Wenn sehr viele Wechsel umlaufen, die Aktivität derErwerbswirtschaften groß ist, wird auch im Kleinverkehr der Bedarfnach realen Zahlungsmitteln groß sein, und daher ist eine ent-sprechende Vermehrung der Banknotenausgabe in solchen Zeitendas beste Mittel, das Geldwesen dem wechselnden Bedarf nachrealen Zahlungsmitteln anzupassen. Daher sind auch kleineNoten, aber doch wohl nicht unter 10 M, zweckmäßig; danebenselbstverständlich eine genügende Reserve an kleinsten Scheidemünzen.
Aus dem Gesagten ergibt sich, daß es jedenfalls durchausverkehrt ist, wenn zur Rechtfertigung der Ausgabe von zirka2 Milliarden Mark papierner Zahlungsmittel gleich in den erstenWochen des Krieges immer, auch in der Denkschrift der Reichs-bank, angeführt wird, der Bedarf an Zahlungsmitteln sei so starkgewachsen infolge der großen Summen baren Geldes, die dieSoldaten mit ins Feld nahmen, infolge Eindringens unseresGeldes in die besetzten Gebiete in Belgien und Polen/ ) infolgeEinschränkung des Wechselverkehrs u. dgl., sowie infolge von Geld-anhäufung bei zahlreichen Privaten. Diese Tatsachen alle zu-gegeben, so ist doch auch hier wieder die „volkswirtschaftliche"und quantitative Betrachtungsweise, die einfach die Geldmengeder ganzen Volkswirtschaft berücksichtigt, unzulässig, wenn es sichum die Frage der Wirkungen auf die Preise handelt. Kier kannnur die auf die Einkommensgestaltung zurückgehende indi-
*) Der Bedarf an Zahlungsmitteln dafür wird auf Milliarden Markgeschätzt.
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