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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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über das ganze Jahr verteilen und nicht gewisse Termine zuausschließlich bevorzugen.

Da jede Geldvermehrung, die nicht aus dem Tauschverkehrselbst heraus erfolgt, erhöhte Kaufkraft bedeutet, ist es auch nichtrichtig, wenn Geheimrat Äuber imBankarchiv" 15. Mai 1916meint:Eine Vermehrung der Geldmittel, welche durch eineStörung in der Ausnutzungsmöglichkeit des vorhandenen Geld-bestandes notwendig wird, kann die Zahl und Art der stattfinden^den Wertübertragungen völlig unbeeinflußt lassen." Eine erhöhteKaufkraft, Vermehrung oder doch zum mindesten Vergrößerung derUmsätze, die einer Vermehrung gleichkommt, ist immer vorhanden.Nur kann sie natürlich so unbedeutend sein, daß sie das gesamtePreissystem nicht merkbar zu beeinflussen vermag. Aber wie gesagt,es kommt darauf an, von wem die Geldvermehrung ausgeht. Innormalen Zeiten kommt dafür nur der Staat bzw. die Noten-bank in Betracht. Äuber denkt aber bei seinen Ausführungenoffenbar an die privaten Geldersatzmittel, welche zu Beginn desKrieges in den meisten Ländern teils von Anstalten, Sparkassenu. dgl., teils auch von Privatpersonen ausgegeben wurden, umeinem wirklichen Mangel an barem Gelde abzuhelfen. Doch be-deuten auch diese Fälle immer ein Kreditgeld, die Tatsache, daßviele Zahlungsmittel, die im Tauschverkehr weiter zirkulieren, unterBenutzung des Kredits ausgegeben werden. Ein Fabrikant, derseine Forderungen nicht hereinbekommen kann, sei es auch nurein Bankguthaben nicht realisieren kann, gibt Gutscheine aus zuLohnzahlungen, eine Sparkasse, deren Schuldner, vielleicht nuraus Mangel an realen Zahlungsmitteln, nicht zahlen können,zahlt zurückgezogene Guthaben in Gutscheinen aus. Es ist nichtso sehr die Vermehrung der Zahlungsmittel an sich, wie dieQuantitätstheorie glaubt, als vielmehr der Einfluß auf die Ein-kommensgestaltung, der in allen diesen Fällen berücksichtigt werdenmuß. Da erkennt man, daß er allerdings nur gering sein kann;aber wenn er auch nicht statistisch feststellbar ist, ganz zu leugnenist er nicht. Der Einleger, der sein Sparkassenguthaben abhebt,verwendet es zu Einkäufen, legt sich vielleicht Vorräte hin undbeginnt damit die spätere Warenknappheit vorzubereiten. DerHändler, von dem er kaufte, macht weitere Warenbestellungenbeim Fabrikanten und trägt so weithin zu gesteigerten Umsätzenund Einkommen bei. ^

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