an der überlieferten Nechnungseinheit fest. Die Preise ändernsich um so weniger, je stabiler sie vorher waren. Das Vertrauenzur Rechnungseinheit wird von der Geldseite her nicht leicht er-schüttert, und insbesondere die Schwankungen der Goldzufuhr könnenkeinerlei Wirkung auf die Preise ausüben. Auch in politischenund wirtschaftlichen Krisen gehen, solange der Staat eine einiger-maßen vernünftige Geldpolitik treibt, Veränderungen der „Kauf-kraft", also der Preise, nicht von der Geldseite aus, sondern ent-stehen aus Bedarfsverschiebungen, vor allem aus dem enormwachsenden Staatsbedarf, der eine Umstellung der ganzen Wirt-schaft nötig macht. Zu verbreiteten Preiserhöhungen kommt esaber auch hier nur durch die Einkommen, sei es, daß dieeintretende Knappheit einzelner Waren die Preise in die Äöhetreibt und zu hohen Gewinnen in diesen Gewerben führt, sei es,daß der Staat, auch ohne daß Warenknappheit vorhanden ist,nicht genügend kaufmännisch rechnet, zu hohe Preise bewilligt unddamit große Einkommenssteigerungen herbeiführt.
Der Staat hat heute, nachdem sich einmal auf Grund einerlangen Entwicklung eine allgemeine Nechnungseinheit in einemLande entwickelt hat — und die Rechnungseinheit Mark knüpftbekanntlich an die frühere in Talern an —, nichts weiter zu tun,als die Zahlungsmittel für den Kleinverkehr zu schaffen, wobeiziemlich gleichgültig ist, woraus diese bestehen. Im übrigen soller die Nechnungseinheit möglichst in Ruhe lassen. Er kann durchseinen Eingriff in das Geldwesen ihre Stabilität, die natürlichniemals eine absolute sein kann, sondern immer von der Waren-seite, den Nachfrage- und Angebotsverhältnissen der Güter ab-hängig ist, nur erschüttern. Diese Erschütterung erfolgt durchplötzliche große Einkommenssteigerungen, welche durch eine starkeVermehrung der Geldmenge herbeigeführt werden und eine plötz-liche Steigerung der Kaufkraft vieler Personen bedeuten. Siebringen das überlieferte Preis- und Einkommenssystem in Anord-nung und bewirken durch Verminderung des Vertrauens zur Geld-politik des Staates und zu seinen Zahlungsmitteln schließlich aucheine Erschütterung des Vertrauens in die Stabilität der allgemeinenNechnungseinheit. Das wird aber nur eintreten bei fortgesetzter starkerVermehrung der staatlichen AmlaufsMittel und dadurch plötzlich ge-steigerten Einkommen, die nicht aus dem Tauschverkehr entstandensind. In der Regel wird das nur bei Papierwährung vorkommen.194