Druckschrift 
Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
Seite
214
Einzelbild herunterladen
 

die Inanspruchnahme der Darlehenskassen ein relativ hoher Zinszu zahlen ist, der bewirkt, daß die Kreditnehmer dochmindestens die Verzinsung des ihnen zur Verfügung gestelltenKapitals aus ihren Erträgen ausbringen. Anter allen Amständenbleibt sür die Beurteilung der Darlehenskassen auch maßgebend,daß die Nückzahlungsverpflichtungen von Darlehen streng einge-halten werden. Je länger diese laufen, desto mehr wird eine erstspäter eintretende Kaufkraft schon jetzt vorweggenommen.

And mit dem Gesagten hängt ein zweiter Mißstand eng zu-sammen, die Benutzung der Darlehenskassenscheine als Deckungs-mittel für die Noten der Neichsbank. Der größte Teil der dazubenutzten Darlehenskassenscheine ist wohl der Neichsbank durch dieKriegsanleihezeichnungen zugeflossen. Daß sie als Golddeckungder Noten dienen, wenn auch der Goldbestand getrennt aufgeführtwird, und daß für je eine Mark der Reichsbank zufließender Dar-lehenskassenscheine drei Mark Banknoten ausgegeben werden können,ist ein Fehler, den man bei besserer Einsicht in das Geldwesensicher hätte vermeiden können. Die daran anknüpfende Kritik desAuslandes hat uns mehr geschadet, als uns die ganze Maßregel,die nur aus der gedankenlosen Anbetung des Fetischs Drittels-deckung hervorgegangen ist, genutzt hat. F. B end ixen hat ganzrecht, wenn er betont (a. a. O., S. 20), daß es das richtigste ge-wesen wäre, die Darlehenskassen zahlten ihre Darlehen in Bank-noten aus, die ihnen die Reichsbank unter Bürgschaft desReiches leiht. Man hat aber der Reichsbank die Möglichkeitlassen wollen, diese Leihscheine selbst wieder zur Deckung ihrerNoten verwenden zu können. Das ist unter allen Amständen einschwerer Fehler, selbst wenn die bei der Neichsbank befindlichenDarlehenskassenscheine keine große Rolle spielen. (Am 30. Sep-tember 1916 378 Millionen Mark.)

Man hat geglaubt, auf diese Weise die Drittelsdeckung auf-rechterhalten zu können. Man hat eben nicht erkannt, daß esauf sie am allerwenigsten ankommt, oder mangels einer richtigenGeldtheorie überhaupt keine Ahnung gehabt, worauf es eigentlichankommt, daß nämlich künstliche Einkommenssteigerungen durch dieGeldvermehrung vermieden werden müssen. And das ist auch derÄauptgesichtspunkt, von dem aus wir jetzt im letzten Kapitel zurBesprechung der Aufgaben der Geldpolitik im Kriege und nach demKriege übergehen.214