Zehntes Kapitel
Aufgaben der Geldpolitik
1. Aufgaben der Geldpolitik im Kriege
Hs^on den Aufgaben der Geldpolitik, die sich aus unserer Auf-fafsung des Geldes ergeben, sei nur einiges hier angeführt,was in der gegenwärtigen Lage, im Kriege und nach dem Kriegevon besonderer Wichtigkeit ist. Vor allem ergibt sich die Forde-rung, jede starke und plötzliche Geldvermehrung, in welcher Formauch immer, zu vermeiden, nicht nur weil dadurch das Vertrauenzum staatlichen Gelde schwinden könnte, sondern weil jede Geld-Vermehrung durch künstliche Steigerung der Kaufkraft des StaatesPreis- und Einkommensverschiebungen hervorruft, die den geord-neten Gang des Tauschverkehrs stören und höchst ungünstigwirken. Es gibt keine wichtigere Aufgabe für den Staat in un-sicheren Zeiten als diese. Kätte man sie richtig erkannt, so wärewohl in allen Staaten die Kriegsfinanzierung anders ausgefallen,hätte man mehr Sorge getragen, das überlieferte Preis- undEinkommenssystem möglichst wenig zu erschüttern, hätte gleich vonAnfang an die Erträge in der Volkswirtschaft mehr für dieKriegsfinanzierung nutzbar gemacht, hätte die Kriegsgewinne vielschneller und schärfer besteuert und hätte die Heranziehung derNotenbank für die Beschaffung der Kriegsausgaben und die Ver-mehrung der Zahlungsmittel, letzteres vor allem in Frankreich und Rußland , viel mehr vermieden. Im einzelnen sei über dieAufgaben der Geldpolitik im Kriege folgendes gesagt.
Wenn also in dem Punkte die alte metallistische Lehrewenigstens recht behält, daß „Inflation" unter allen Umständenvermieden werden muß, so ist doch keineswegs gesagt, daß dasnur mit einer metallischen Währung möglich ist. Freilich stimmeich auch darin noch den Metallisten bei, daß die Chartaltheorie,die im Gelde nur ein Geschöpf der Rechtsordnung sieht, so daßder Staat auch seine Kaufkraft bestimme, einer Inflation gewaltig
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