Ideen folgen. Es ist höchste Zeit, daß wir uns auch auf diesemGebiete, wie auf so vielen, von der Herrschaft englischer Gedankenfrei machen, daß wir die klassische Schule der Nationalökonomie,auf deren Grundlage vor jetzt hundert Iahren die Goldwährungeingeführt wurde, überwinden, daß wir in der ganzen ökonomischenTheorie und damit auch in der Geldlehre und Geldverfassungüber die Engländer hinauskommen.
Die Goldwährung war ein Ideal höchstens vom Standpunktder traurigen Währungsverhältnisse früherer Zeiten, weil sie derAllmacht des Staates bei der Geldschöpfung Naturgrenzensehte, sie an die Gewinnung eines nur beschränkt vermehrbarenEdelmetalles band. Heute ist sie ein ungeheurer Luxus, und dieIrrtümer der ökonomischen Theorie, die seine Aufrechterhaltungals notwendig erklären, sind ein höchst schädliches Hindernis füreine zweckmäßigere Gestaltung unserer Wirtschaft, sie sind einegroße Verschwendung und dazu der Verzicht auf eines unsererwirksainsten Kampfmittel im Wirtschaftskriege mit unsern Gegnern.
Sofern der Staat die allgemeine Rechnungsein-'heit in Ruhe läßt und nicht durch starke Papiergeld-Vermehrung und dadurch bewirkte künstliche Kaufkraft-erzeugung das überlieferte Preis- und Einkommen-system stört, ist ein großer Edelmetallvorrat völligüberflüssig, die gewaltigen Kosten einer Golddeckungder Zahlungsmittel könnten vermieden werden. Hierliegen die Kauptaufgaben jeder Geldpolitik, nachdem man einmaldas Wesen des Geldes richtig erkannt hat.
Vor dem Kriege konnten wir uns den Luxus allenfalls ge-statten, daß uns unsere Tauschmittel über drei Milliarden Markkosteten. Ja, vielleicht waren diese Kosten bis in die neuesteZeit hinein kein Luxus, sondern eine Art Buße für die jahr-hundertelangen Sünden der früheren staatlichen Geldpolitik, welchemit ihren Eingriffen in das Geldwesen dessen Sicherung durchein nicht beliebig vermehrbares, allgemein geschätztes Gut erforder-lich machte und es zur Ausbildung einer stabilen Rechnungs-einheit und der Entwicklung privater Zahlungs- und Abrechnungs-mittel überhaupt nicht kommen ließ. Heute dagegen, wo dergrößte Teil der Anisätze sich von der Benutzung der staatlichenZahlungsmittel unabhängig gemacht hat, ist damit der Beweisgegeben, daß die Schätzung der Rechnungseinheit von dieser Seite224