aus einem gewissen Trägheitsmoment und wegen Unklarheit überdiese schwierige theoretische Frage, einen möglichst großen Gold-vorrat und möglichst volle bare Deckung der Banknoten noch alsdas Ideal an, ohne Rücksicht auf die ungeheuren Kosten, die einderartiges Geldwesen bedeutet, ohne Rücksicht auch auf den Vor-schub, den wir damit unseren politischen und wirtschaftlichenGegnern leisten. So fordern nicht nur wissenschaftliche National-ökonomen, sondern auch kenntnisreiche Praktiker, wie G. Bern-hard, A. Lansburgh u. a., mangels richtiger Erkenntnis überdas Wesen des Geldes, Festhalten und möglichste Vermehrungunseres Goldschatzes. Es sei nur eine einzige Äußerung zitiert.A. Grabowsky sagt in der schon genannten Schrift (S. 20)im Anschluß an seine Empfehlung des Sparzwangs: „Die großenSummen, die auf diese Weise zusammenkommen, sollen zuumfangreichen Goldankäufen dienen. Auf diesen neuenstarken Goldvorrat hin werden sodann nach dem bisherigenPrinzip der Drittelsdeckung oder nach einem erst einzuführendenDeckungsprinzip außerordentlich erhebliche Amlaufsmittel in Ge-stalt von Banknoten ausgegeben werden können, die die künftigenKapitalien bilden (I), mit denen wir produktiv im inneren und vorallem jenseits unserer Grenzen zu arbeiten imstande sind."
Derartige Anschauungen sind durchaus die Konsequenz derherrschenden metallistischen Geldlehre; sie entsprechen auch einst-weilen noch der allgemeinen Meinung, die im „Goldwahn" be-fangen ist, und werden in ähnlicher Form von den angesehenstenNationalökonomen vertreten. Sollten sie — was leider höchstwahrscheinlich ist — auch von den maßgebenden Stellen der Re-gierung geteilt werden, so ist der Kampf dagegen eine Aufgabevon höchster vaterländischer Wichtigkeit, zu der nach bestem Wissenund Gewissen — nicht um eigene überlieferte Irrtümer zu ver-teidigen — jeder Nationalökonom Stellung nehmen müßte.Wir sollen also möglichst viel Gold ankaufen und daraufhin rechtviel Banknoten ausgeben, die dann unsere Kapitalien bilden! Kannman den Engländern besser in die Äände arbeiten, als mit der-artigen ungeheuerlichen Vorschlägen? Würden solche Anschau-ungen in der praktischen Geldpolitik befolgt, so würde uns dasMillionen und Milliarden kosten, es wäre einer verlorenen Schlachtgleich zu achten. Die Engländer würden wieder einmal über diedummen Deutschen triumphieren, die sklavisch ihren wirtschaftlichen
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