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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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den Verhältnissen in Deutschland , wo infolge der Abschließungs-Politik unserer Gegner eine Einschränkung des Konsumswünschenswert ist, wäre auch eine so weitgehende Heranziehungaller höheren Einkommen für die Staatszwecke möglich, daß nurein der bisherigen Lebenshaltung entsprechender notwendigerKonsumtionsfonds übrigbleibt. Die Steuer brauchte nicht un-bedingt nach dem Einkommen bemessen zu werden, sie müßte abernatürlich aus dem Einkommen bezahlt werden können. Voneiner Konfiskation von Vermögensteilsn, die dann nichtrealisiert werden könnten, hätte der Staat natürlich keinen Vor-teil. Es ist kein Zweifel, daß auf diese Weise für ein weiteresJahr noch mindestens zwanzig Milliarden Mark zusammengebrachtwerden könnten, für jedes folgende naturgemäß weniger.

Zwangsanleihen mit niedriger Verzinsung wären natür-lich eine mildere Form der Besteuerung. Sie kommen auch nachdem Kriege zu schnellerer Beseitigung bzw. Verminderung dergewaltigen Kriegsschuldenlast in Betracht. Davon soll hier nichtnäher gesprochen werden.

Dagegen sei eine andere Frage der Geldpolitik hier behandelt.Wir besprechen sie und auch die folgenden Erörterungen über dieGeldpolitik nach dem Kriege hier ganz offen, weil wir von autori-tativster Seite erfahren haben, daß unsere Gedanken in absehbarerZeit leider kaum praktische Verwirklichung finden werden. So seiensie denn hier als Theorie behandelt, später wird man es vielleichtbedauern, daß man nicht entschlossener ihnen gefolgt ist. Ist esrichtig so wollen wir zunächst fragen, daß die Reichsbankund ebenso die Zentralbanken anderer Länder mit solcher Zähig-keit an ihrem Goldvorrat festhalten? Nach den bisher herrschendenwissenschaftlichen Anschauungen und der in diesem Punkte sehrwichtigen öffentlichen Meinung, die durchaus die metallistischenGedanken in sich aufgenommen hat, zweifellos. Danach ist immernoch Gold gleichbedeutend mit Neichtnm, und nichts zeigt unserewirtschaftliche Kraft besser, als wenn wir einen recht großen Gold-vorrat aufzeigen können. Ich gebe zu, daß mit diesem weitesteKreise beherrschenden Dogma die praktische Geldpolitik auch dannin gewisser Hinsicht rechnen muß, wenn sie es als falsch erkennt.Aber das ist heute noch keineswegs der Fall. Sehr viele haltennoch an der metallistischen Auffassung fest. Die meisten sehenheute, allerdings weniger aus wissenschaftlicher Überzeugung als222