Möglichkeit gegeben, daß wir auf diese Weise nach dem Kriegeschnell wieder aus der Geldentwertung und ihren Adelständenherauskommen?
Eine derartige Argumentation ist auf das entschiedenste ab-zulehnen, und sie anzuwenden würde von den schlimmsten Wir-kungen begleitet sein. Die ausgiebige Benutzung der Notenpresse,um dem Staat neue Mittel zu schaffen, wäre verhältnismäßigharmlos, wenn sie die Wirkung hätte, die die strengen Quantitäts-theoretiker bei der Geldvermehrung voraussetzen, alle Preisegleichmäßig in die Äöhe zu treiben, wenn also ent-sprechend der Vermehrung der Geldmenge alle Preise gewisser-maßen automatisch in die Äöhe gehen. Das ist aber nicht derFall, weil eben nicht die Geldmenge, sondern die Einkommendie Güter kaufen. Das einmal bestehende Preis- und Einkommen-system ist daher ein außerordentlich komplizierter, ineinander-greifender Organismus. Alle bedungenen Einkommen, Löhne,Gehälter u. dgl., namentlich die auf längere Zeit bedungenen,passen sich erst sehr allmählich den gestiegenen Preisen an. Dievermehrte Kaufkraft des Staates wirkt zuerst auf die Güter, dieder Staat gebraucht und nach den Verhältnissen von Nachfrageuud Angebot bezahlen muß. Der Staat muß hier vielfach hohePreise zahlen, um die Industrie zur Steigerung der Produktionder von ihm gebrauchten Güter anzuregen, und das sind ja bei denheutigen Millionenarmeen nicht nur Waffen und Munition,sondern Kleidung und Lebensbedürfnisse der verschiedensten Art.Die so erzielten hohen Einkommen wirken dann weiter preis-steigernd, aber natürlich auf die verschiedensteu Güter und Lei-stungen in sehr verschiedenem Amfange. Sie führen auch zumancherlei Luxuskonsum und regen insbesondere die Spekulationan, wie immer in unruhigen Zeiten zu beobachten ist.
Anter allen Amftänden muß also der Staat vermeiden, sichkünstliche Kaufkraft durch Notenausgabe zu verschaffen. Liefernfreiwillige Anleihen nicht mehr genügende Summen und lassensich Ersparungen in der Kriegswirtschaft, die bei uns leider langenicht in genügendem Amfange versucht worden sind, nicht weiterdurchführen, so bleiben immer noch Steuern und Zwangs-anleihen . Denn die Subskriptionsanleihen stellen natürlichlängst nicht die Gesamtheit der beim Konsum entbehrlichenEinkommensteile dein Staate zur Verfügung. Gerade unter
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