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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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sonst nicht abgeben würde, und wir können sie zu viel niedrigerenPreisen kaufen, als sie uns angerechnet werden, wenn wir andereWaren dafür liefern wollten. Deswegen muß aber doch beisolchen Abschlüssen scharf gehandelt werden, damit wir nicht diegegenwärtigen übermäßigen Kriegspreise bezahlen müssen. Amrichtigsten wäre es wohl, jetzt schon für die Zeit gleich nach demFrieden Abschlüsse zu machen für wichtige Rohstoffe, die wir un-bedingt gebrauchen, zu möglichst niedrigen Preisen gegen dasVersprechen der Goldzahlung. Es würde z. B. meines Erachtensgar keine Bedenken haben, eine Milliarde Gold zu opfern zumAnkauf von Baumwolle, Wolle, Kupfer u. dgl. zu einigermaßennormalen Preisen. In der ersten Zeit nach Beendigung derKriegshandlungen ist unsere Industrie noch verhältnismäßig wenigexportfähig, weil uns eben wichtige Rohstoffe fehlen und die Am-stellung auf den Friedensbedarf noch nicht durchgeführt ist. Dakann zweifellos Gold ein wichtiges Exportmittel sein und mußgleichzeitig in geschickter Weise zur Hebung unserer Valuta be-nutzt werden. Später können dann Goldverkäufe zur Äebungunseres Exports nach den feindlichen Staaten dienen, etwa indemwir Rußland sagen: wir kaufen euch Getreide in der und derMenge ab und zahlen dafür soundso viel in Gold, wenn ihr unsgleichzeitig soundso viel Maschinen abnehmt, soundso viel deutschenBauern die Auswanderung gestattet u. dgl. Wenn gleichzeitigdie Regierung die Notenmenge nicht vermehrt und eine zweck-mäßige Wirtschaftspolitik verfolgt, welche nicht einzelne Erwerbs-stände übermäßig begünstigt und dadurch zu Einkommenssteige-rungen führt z. B. durch Einführung von Staatsmonopolenmit hohen Abfindungen, wovor nicht dringend genug gewarntwerden kann, so wird ein weiteres Sinken der Kaufkraft desGeldes nicht eintreten und von einer ungünstigen Wirkung desverminderten Goldvorrates auf die Preise kann jedenfalls keineRede sein. Anter diesen Kautelen von einerInflation" zu sprechen,könnte selbst dem eingefleischtesten Metallisten nicht einfallen, weilwir auf Grund unserer Theorie erkennen, wann und unter welchenBedingungen die Notenvermehrung gefährlich ist, und diese Ver-hältnisse, die Schaffung künstlicher Kaufkraft und dadurch bewirkteEinkommens- und Preisverschiebungen, sehr viel energischer be-kämpfen und zu vermeiden suchen als die bisherigen Währungs-systeme mit ihrer Drittelsdeckung u. dgl.230