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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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2. Die Aufgaben der Geldpolitik nach dem Kriege

Mit diesen Erörterungen sind wir schon auf die Fragen derGeldpolitik nach dem Kriege gekommen. Wir wollen uns imfolgenden in der Hauptsache auf die Geldpolitik im engsten Sinne,die Währungspolitik, beschränken.

In welchem Amfange könnte, wenn man weitergehende Schrittescheut, zunächst wenigstens die Goldwährung mit ihren enormenKosten allmählich abgebaut werden? Ansere entscheidenden Ge-sichtspunkte und ihre allgemeinen theoretischen Grundlagen sindden Lesern bekannt. Zwei Probleme stehen hier im Vordergrund:Die Goldzirkulation und die freie Goldprägung. Daßdie Goldzirkulation ein Luxus ist, den sich allenfalls reiche Gold-produktionsländer leisten können, mit dem aber alle anderen nurden Interessen jener dienen, das haben wohl im Kriege selbst dieorthodoxesten Metallisten eingesehen. Daß aber auch eine reinePapierzirkulation ihre Aufgabe erfüllt, selbst wenn die Bevölkerungvorher an Gold gewöhnt war, und das nicht nur in normalenZeiten, sondern auch unter den schwersten wirtschaftlichen Er-schütterungen des Krieges, das haben wir zur Genüge in Deutsch-land beobachten können.

Man kann daher auch kaum einwenden, daßdas Volk sichnicht mit dem Papiergeld begnügt, das ihm nur einen Wert be-zeichnet, es will einen Wert fühlen, einen Wert umklammern".Das Vertrauen in den Staatberuht im wesentlichen auf derVorstellung, daß in den Kellern der Reichsbank eine riesenhafte. .. Menge roten Edelmetalls lagert. Man mag das noch sohäufig Goldwahn heißen, solange dieser Goldwahn vorhanden ist,bedeutet er eine feste Realität in politischer und wirtschaftlicherHinsicht" (Grabowsky a. a. O., S. 20). Nein, es ist im Gegen-teil eine höchst wichtige Aufgabe, diese unwirtschaftlichen Vor-stellungen zu zerstreuen, genau wie man auch auf anderen Gebietenunwirtschaftliche Verfahren zu beseitigen trachtet. Die erste An-regung dazu kann aber nur der Theoretiker geben, der die Mängelder heutigen Ordnung und die Irrtümer, durch welche sie aufrecht-erhalten werden, 'erkennt. Nichts anderes ist meine Absicht.Mögen die Praktiker und Politiker sehen, wie sie sich mit diesenIdeen auseinandersetzen und wie sie die Hindernisse, die ihrer Ver-wirklichung entgegenstehen, überwinden. Aber einfach zu sagen,

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