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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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der Goldwahn ist einmal vorhanden und daraufhin nichts zu tun,ist zwar sehr bequem, geht aber nicht an und ist höchst unpatriotisch.

Außerdem ist derGoldwahn" tatsächlich nur in den Köpfeneiner kleinen Schicht vorhanden, der Kaufmannschaft, die ökonomischhalbgebildet ist, falsche, allerdings noch weit verbreitete Theorienalsbare Münze", als Dogmen nimmt. Aber in den meistenVolksschichten denkt niemand an Golddeckung beim Papiergeld.Daß die Vorstellung der Golddeckung der staatlichen Zahlungs-mittel in einem geordneten Staatswesen keineswegs tief sitzt undleicht zu beseitigen ist, zeigte Österreich vor dem Kriege und zeigendie Verhältnisse Deutschlands und Frankreichs seit dem Kriege.Eine große Goldzirkulation im inländischen Verkehr, wie wir undFrankreich sie vor dem Kriege hatten, werden sich nachher nurwenige Staaten leisten. Überall wird, auch wenn man an demLuxus der Goldwährung und Golddeckung festhält, der bargeldloseZahlungsverkehr, in dem der Fortschritt des Geldwesens liegt,gefördert werden. Aber auch für den Zahlungsverkehr mit demAuslande ist zum mindesten ein großer Goldschätz heute schonüberflüssig. Mit wachsender Einsicht wird man immer mehr an-fangen, Forderungen an das Ausland in zweckmäßig ausgewähltenDevisen und internationalen Effekten sich begleichen zu lassen unddamit und mit wichtigen Rohstoffen eventuell das inländischePapiergeld zu decken, statt die zinslose Last eines sonst ganz un-brauchbaren Edelmetalls auf sich zu nehmen.

Da infolge der Verarmung durch den Krieg in den von ihmbetroffenen Ländern wohl noch lange hinaus eine Verminderungder Umsätze im inneren und äußeren ^Verkehr, eine Einschränkungder Lebenshaltung weiter Kreise vorhanden sein wird, wird auchder Bedarf an Zahlungsmitteln und damit an Gold zur Deckungderselben auf Grund der bisherigen Währungsgesetze nach demKriege nicht ebenso weitersteigen wie früher, die Nachfrage nachGold also selbst dann geringer werden, wenn die kriegführendenLänder die freie Prägung wieder einführen sollten.

Die freie Prägung ist der eigentliche Kernpunkt der Gold-Währung, der Punkt, durch.den die Goldwährungen der verschie-denen Länder miteinander verknüpft sind, wenn' auch, wie wir ge-sehen haben, über die Art dieser Verknüpfung mangels einerrichtigen Geld- und Preistheorie noch die größten Anklarheitenbestehen. Praktisch war diese Institution für uns nicht von großer232